Die Verhandlungen zwischen der BAWAG und den Gläubigervertretern der REFCO sind in London offensichtlich gescheitert. Und das, obwohl von der BAWAG, wie kolportiert wird, 500 Millionen Euro angeboten wurden. Wie man liest, hätte das Geld verschenkt werden sollen – weil zu Schulden kommen hat man sich ja nichts, man wäre ja selbst Geschädigter …
Wenn es nach dem SPÖ-Vorsitzenden, Alfred Gusenbauer, geht, wird wohl nie geklärt werden, wie es so weit kommen konnte. Der Chef verbietet es nämlich, über die BAWAG im Wahlkampf zu reden. Wahrscheinlich wähnt er sich noch in vergangenen Zeiten, wo man den Überbringer der schlechten Nachricht erschlagen hat, die Verursacher aber meist ungeschoren blieben.
Es lohnt aber, darüber nachzudenken. Beispielsweise ist es in Österreich (wahrscheinlich auch sonstwo) üblich, dem Vermittler eines Bankgeschäftes (zB eines Kredites) ein Provision zu zahlen – 10 % der Kreditsumme sind nicht unüblich. Man kann sich ausmalen, wie viel Geld bei den REFCO-Geschäften geflossen ist, die ja zweifelsohne auch vermittelt worden waren. Und die Provisionen dürften oft angefallen sein, wenn man das Firmen/Stiftungsgeflecht bedenkt. Ich wäre neugierig, ob die BAWAG bei den Kosmetik-Krediten an REFCO nach Abzug der Provisionen überhaupt etwas verdient hat, denn viel mehr als 10 % Zinsen wird Herr Bennet für einen Wenige-Wochen-Kredit an Zinsen nicht bezahlt haben. Jedenfalls würde es lohnen, sich die Nutznießer der Geschäfte bzw wo die Provisionsgelder hingeflossen sind genauer anzusehen. Da könnte die eine oder andere Überraschung noch bevorstehen …
Der SPÖ-Chef möchte das aber nicht. Er meint, das würde dem Finanzplatz Österreich schaden. Ich glaube das nicht. Ich meine, die lückenlose Aufklärung dunkler Geschäfte würde den Finanzplatz eher stärken. Ich möchte nämlich nicht glauben, dass alle Leute, die Geldgeschäfte machen, Dunkelmänner sind …