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2. Jul. 2006

Jahrzehntelang waren SPÖ und ÖGB ein Herz und eine Seele – die Partei und der Verein waren glücklich verheiratet. Ja es war nicht vorstellbar, dass es den einen ohne den anderen geben könnte und einer ohne das Wissen des anderen etwas tun würde oder könnte. Jetzt, nachdem der gemeinsame Goldesel (BAWAG) verreckt ist, ist aber alles anders und plötzlich möchte die SPÖ (na ja, Alfred Gusenbauer halt) mit dem ÖGB nichts mehr zu tun haben.

Bei der bevorstehenden Wahl möchte sich die SPÖ halt von der strauchelnden Gewerkschaft nicht die Chancen nehmen lassen. Interessant wäre es zu wissen, wer SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer da beraten hatte. Denn ohne Unterstützung der Gewerkschaft hätte die SPÖ wohl keine einzige Wahl gewonnen. Außerdem hat es der Gusi jetzt geschafft, in die Gewerkschaft einen Spaltpilz einzubringen, den wahrscheinlich niemand mehr kontrollieren kann und der auch ganz leicht die ganze SPÖ befallen könnte. “Was sollte denn daran störend sein, wenn die Gewerkschaftsbonzen nicht mehr im Nationalrat sitzen?” fragen sich manche.

Die Spitzen der Gewerkschaft waren im Nationalrat vertreten, um die Interessen der Arbeitnehmer zu vertreten, so wie die Bauern- und Wirtschaftsvertreter eben Bauern- und Wirtschaftsinteressen vertreten. Dieses System, welches oft kritisiert wurde, funktionierte bei uns recht gut. Die Gewerkschaft wird künftig nicht mehr durch die Chefs, sondern nur mehr durch Unterläufer im Nationalrat vertreten sein. Möchten nun die Gewerkschaftschefs etwas im Nationalrat behandelt haben, müssen sie zu ihren Untergebenen der 3. oder 4. Ebene pilgern und um Wohlwollen bitten. Weil die Gewerkschaftsabgeordneten dann aber mehr vom SPÖ-Klub abhängig sind (sie wollen ja wieder in den Nationalrat) werden sie bei Interessenskonflikten ihre Gewerkschaftsbosse öfters abblitzen lassen. Da sind schwerste Auseinandersetzungen vorprogrammiert und die Gewerkschaftsbewegung ist mehr oder weniger lahmgelegt bzw entmachtet.

Vor nicht langer Zeit hat sich die SPÖ fürchterlich darüber aufgeregt, dass Wolfgang Schüssel die Gewerkschaft zerstören (in Konkurs schicken) möchte. Jetzt braucht sich der schlaue Fuchs (Bundeskanzler Schüssel) gar nicht mehr bemühen -
SPÖ-Chef Gusenbauer hat die Gewerkschaft selber mit der Brechstange niedergemacht …

11 Kommentare »

  1. kritikus.at » Blog Archive » Liebt Gusenbauer! schreibt:

    [...] Dabei sah sich der SPÖ-Chef nach seiner Ho-Ruck-Aktion gegen die Gewerkschaftspräsidenten heftiger Kritik von seiten der FSG ausgesetzt. Nun hat eben die Partei beschlossen, dass auch die FSG den Parteichef zu lieben hat. Und was macht die FSG angesichts der gehirnwäscheähnlichen Umarmung durch die Partei? Na sie liebt den Chef eben – zähneknirschend zwar, aber immerhin. [...]

    7. Jul. 2006 | #

  2. kritikus.at » Blog Archive » Doch SPÖ-Gewerkschaftbosse im NR? schreibt:

    [...] Das Donnergrollen nach Gusenbauer´s Gewaltakt, wonach die Chefs der Gewerkschaften, so sie Mitglieder der SPÖ sind, nicht mehr im Nationalrat sein dürfen, ist noch nicht verklungen, da wird diese Chefanordnung auch schon unterlaufen. [...]

    29. Jul. 2006 | #

  3. kritikus.at » Blog Archive » Abgeordnete des Meisters schreibt:

    [...] Der unnötige  Gewaltakt  gegen die gewählten Chefs der Gewerkschaften (nur der SPÖ-nahen), wodurch diese vom Nationalrat ausgeschlossen sein sollen, dürfte dem SPÖ-Chef doch nicht so gut gelungen sein. Scheinbar kandidieren doch einige Gewerkschaftsbosse auf SPÖ-Listen. [...]

    3. Aug. 2006 | #

  4. kritikus.at » Blog Archiv » Bruderzwist schreibt:

    [...] Begonnen hat die SPÖ, wo dem Bundeskanzler derzeit von der eigenen Partei alte Rechnungen präsentiert werden. Hier geht es um die Einhaltung der Wahlversprechen, den Rauswurf der roten Gewerkschaft (hohe Funktionäre) aus dem NR etc – was die Steirer-SPÖ unter Voves will, ist mir immer dabei noch nicht ganz klar geworden. Dabei gehen die roten Protestierer teilweise gegen den eigenen Chef aggressiver vor, als im Wahlkampf gegen die ÖVP. [...]

    19. Jan. 2007 | #

  5. kritikus.at » Blog Archiv » Letzte Runde eingeläutet? schreibt:

    [...] Die Anzeichen könnte man so deuten und der Parteichef selber hat sich auch weit aus dem Fenster gelehnt, als er seine Gewerkschaftsfraktion fallen ließ, wie eine heisse Kartoffel. Trotzdem kann es aber sein, dass da einige die Rechnung ohne den Wirt machen. Gusenbauer ist zäh, das hat er schon bewiesen. Er hat die Wahl, trotz BAWAG-Gegenwind, entgegen aller Voraussagen praktisch alleine gewonnen. Und eine Regierungsbildung (trotz mancher Abstriche) unter den gegebenenVerhältnissen hätte aus seiner Partei auch nicht so leicht jemand zusammengebracht. [...]

    30. Jan. 2008 | #

  6. kritikus.at » Blog Archiv » Inflationsbekämpfung der anderen Art schreibt:

    [...] Grund genug, dass die Gehirne unserer Politiker rauchen, besonders bei der SPÖ. “Die Herausforderung ist die Inflation” meinte etwa der Parteichef himself. “Inflation: Berger will Novelle des Mietrechts” und “Teure Lebensmittel: Buchinger will Inflationsabgeltung” sind zZt gängige Schlagzeilen. Da sieht man gleich, dass die SPÖ sich der Inflationsbekämpfung verschrieben hat und das Wohl des Volkes ihr am Herzen liegt – oder etwa doch nicht? [...]

    2. Feb. 2008 | #

  7. kritikus.at » Blog Archiv » Ciao Gusi? schreibt:

    [...] Der Strahlemann war er ja, mit Ausnahme des Abends nach der letzten NR-Wahl, eigentlich nie, der Alfred Gusenbauer. Aber er war zäh, hat nicht aufgegeben und für die SPÖ eine schon verlorene Wahl gewonnen. Freilich sind bei dieser Kraftanstrengung auch Fehler passiert, die ihn jetzt einholen. ZB hat er im Wahlkampf Versprechungen gemacht, von denen er glaubte, sie nicht einlösen zu müssen. Niemand in der SPÖ hat sich auch nur die geringste Chance auf einen Wahlsieg ausgerechnet. Der größte Fehler war aber die Kindesweglegung der Gewerkschaft – das verzeiht im die FSG niemals. [...]

    27. Feb. 2008 | #

  8. kritikus.at » Blog Archiv » Unmoralische Angebote schreibt:

    [...] Um die ganze Dekadenz des Prämienunwesens begreifen zu können, muss man sich verdeutlichen, dass beispielsweise ein österreichischer Bundeskanzler ganze vier Jahre brauchen würde, um (brutto) zu verdienen, was sich die russischen Spieler heute in 90 Minuten erlaufen können. Gut, für unseren Gusi wird sich das gewiss nicht mehr ausgehen (der Grundstein dazu wurde allerdings schon vor der Wahl gelegt)… [...]

    26. Jun. 2008 | #

  9. kritikus.at » Blog Archiv » SPÖ, EU und die Krone schreibt:

    [...] Das zusammengekrampfte Führungsduo der Partei, Gusenbauer (Kanzler) und Faymann (Parteichef und Verkehrsminister), hat eine Kehrtwendung hingelegt. Das alleine würde an und für sich noch niemanden vom Hocker hauen, das ist seit geraumer Zeit bei der SPÖ als normal anzusehen. Bemerkenswert ist das “wobei” und das “wie”… [...]

    26. Jun. 2008 | #

  10. kritikus.at » Blog Archiv » Äußerst merkwürdig schreibt:

    [...] Der nach dem ultimativen Vollzug der zizerlweisen Gusenbauer-Abmontierung neue Spitzenkandidat der SPÖ, Werner Faymann, betonte schon mehrmals, dass er eine Koalition mit der FPÖ ausschließe. “Ich kann mir keinen einzigen Tag eine Koalition mit der FPÖ vorstellen”, sagte er etwa gestern dazu. Da konnte natürlich die ÖVP nicht widerstehen. Mit “So wie FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache das macht, ist ganz klar: Wer Europa infrage stellt, kann kein Partner sein.” schloss auch Wilhelm Molterer eine Partnerschaft mit dieser Partei aus. Damit sind wieder krampfartige Regierungsverhandlungen vorprogrammiert und am Ende des Tages wird dann wohl wieder eine große Koalition – ROT/SCHWARZ meine ich damit, denn das könnte ja dann auch eine kleine Koalition sein – stehen. [...]

    8. Jul. 2008 | #

  11. kritikus.at » Blog Archiv » “Ein gutes Geschäft” schreibt:

    [...] Kanzler Gusenbauer versteht das aber sicher. Er nannte die Sache ein ”gutes Geschäft”  für den Staat. Er meinte damit, dass sich der Staat das Geld für das Darlehen zwar auch ausleihen muss, von der ERSTE mit 8 Prozent aber mehr Zinsen erhalten wird, wie er selbst für das geliehene Geld zahlen muss. Genial – wundersame Geldvermehrung! Warum bloß fallen mir nie so gute Geschäfte ein? Doch halt, kommt uns das nicht bekannt vor? Wurde so oder ähnlich nicht die Blase, die uns jetzt um die Ohren fliegt, gebildet? Geht etwa das gleiche Spiel – nur jetzt um ein paar Mitspielern (Staaten) erweitert – ungeniert weiter? [...]

    30. Okt. 2008 | #

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