Jahrzehntelang waren SPÖ und ÖGB ein Herz und eine Seele – die Partei und der Verein waren glücklich verheiratet. Ja es war nicht vorstellbar, dass es den einen ohne den anderen geben könnte und einer ohne das Wissen des anderen etwas tun würde oder könnte. Jetzt, nachdem der gemeinsame Goldesel (BAWAG) verreckt ist, ist aber alles anders und plötzlich möchte die SPÖ (na ja, Alfred Gusenbauer halt) mit dem ÖGB nichts mehr zu tun haben.
Bei der bevorstehenden Wahl möchte sich die SPÖ halt von der strauchelnden Gewerkschaft nicht die Chancen nehmen lassen. Interessant wäre es zu wissen, wer SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer da beraten hatte. Denn ohne Unterstützung der Gewerkschaft hätte die SPÖ wohl keine einzige Wahl gewonnen. Außerdem hat es der Gusi jetzt geschafft, in die Gewerkschaft einen Spaltpilz einzubringen, den wahrscheinlich niemand mehr kontrollieren kann und der auch ganz leicht die ganze SPÖ befallen könnte. “Was sollte denn daran störend sein, wenn die Gewerkschaftsbonzen nicht mehr im Nationalrat sitzen?” fragen sich manche.
Die Spitzen der Gewerkschaft waren im Nationalrat vertreten, um die Interessen der Arbeitnehmer zu vertreten, so wie die Bauern- und Wirtschaftsvertreter eben Bauern- und Wirtschaftsinteressen vertreten. Dieses System, welches oft kritisiert wurde, funktionierte bei uns recht gut. Die Gewerkschaft wird künftig nicht mehr durch die Chefs, sondern nur mehr durch Unterläufer im Nationalrat vertreten sein. Möchten nun die Gewerkschaftschefs etwas im Nationalrat behandelt haben, müssen sie zu ihren Untergebenen der 3. oder 4. Ebene pilgern und um Wohlwollen bitten. Weil die Gewerkschaftsabgeordneten dann aber mehr vom SPÖ-Klub abhängig sind (sie wollen ja wieder in den Nationalrat) werden sie bei Interessenskonflikten ihre Gewerkschaftsbosse öfters abblitzen lassen. Da sind schwerste Auseinandersetzungen vorprogrammiert und die Gewerkschaftsbewegung ist mehr oder weniger lahmgelegt bzw entmachtet.
Vor nicht langer Zeit hat sich die SPÖ fürchterlich darüber aufgeregt, dass Wolfgang Schüssel die Gewerkschaft zerstören (in Konkurs schicken) möchte. Jetzt braucht sich der schlaue Fuchs (Bundeskanzler Schüssel) gar nicht mehr bemühen -
SPÖ-Chef Gusenbauer hat die Gewerkschaft selber mit der Brechstange niedergemacht …