Alfred Gusenbauer nötigt einem Respekt ab – ob man will oder nicht. Als Kompromiss Parteichef der SPÖ geworden, von den eigenen Funktionären wenig bis gar nicht geliebt, schaffte er es mit Ausdauer, Zähigkeit und Coolness zum Wahlsieg und in der Folge auch zum Bundeskanzler.
Ich selber habe ihm am Beginn des Wahlkampfes keinerlei Chancen eingeräumt – wie 99 % der SPÖ-Funktionäre wahrscheinlich auch. Aber mit dem Fortgang der Geschehnisse wurde der Kanzler immer sympathischer. Er ließ sich auf seinem Weg nicht beirren und verfolgte beharrlich sein Ziel, ohne einmal die Nerven zu verlieren. Momentan kommt es mir so vor, als ob er tatsächlich des Wohl des Landes vor das Wohl der Partei gestellt hätte.
Interessanterweise wird Alfred Gusenbauer hauptsächlich aus den eigenen Reihen scharf kritisiert. Unter den Kritikern sind höchste SPÖ-Repräsentangen. So etwas hat es meiner Meinung nach in der SPÖ, zumindest in dieser Form, noch nie gegeben. Aber auch Franz Voves (er sollte lieber in seinem Land für Ordnung sorgen – Stichwort Tempo 80 / 100 und Rauchverbot – SPÖ Steiermark) und der oberösterreichische Haider (ihn dürfte James Blunt sicher nicht meinen, wenn er von WiseMan singt
) werden sich wieder beruhigen – sie prallen ja wirkungslos ab…
The Koalition Man ist in einem dreiviertel Jahr enorm gereift. Hut ab und alles Gute!
[...] Positiv erwähnenswert ist bei der Sache auch unser Bundeskanzler. Ihm passt das Ansinnen vom Wirtschaftsminister nicht. Er möchte durch richtige (nicht Wischi-Waschi-Computerkurse zum Homepagedesigner etc) Umschulungsmaßnahmen und einer “Mobilitätsprämie” die fehlenden Arbeiter bereitstellen. Ob das durchführbar ist weiß ich natürlich auch nicht, klingen tut es aber sehr vernünftig. Leider hat der Kanzler dank seiner Freunde (allen voran der steirische Eierspezialist und die oberösterreichische Hochintelligenz ) nicht sehr viel Gewicht in der Regierung und man braucht wahrscheinlich nur einen Versuch, um zu erraten, wie die Sache ausgehen wird… [...]
25. Feb. 2007 | #
[...] Die Anzeichen könnte man so deuten und der Parteichef selber hat sich auch weit aus dem Fenster gelehnt, als er seine Gewerkschaftsfraktion fallen ließ, wie eine heisse Kartoffel. Trotzdem kann es aber sein, dass da einige die Rechnung ohne den Wirt machen. Gusenbauer ist zäh, das hat er schon bewiesen. Er hat die Wahl, trotz BAWAG-Gegenwind, entgegen aller Voraussagen praktisch alleine gewonnen. Und eine Regierungsbildung (trotz mancher Abstriche) unter den gegebenen Verhältnissen hätte aus seiner Partei auch nicht so leicht jemand zusammengebracht. [...]
31. Jan. 2008 | #