Belgien – 2007: Im Vesaliusinstitut in Ostende müssen Schüler, die rauchen, einen Anstecker mit einer grauslich schwarzen Raucherlunge und der Aufschrift: “So dürfen meine Lungen aussehen” tragen.
Claudine Lesaffre, die Direktorin der Schule, begründet diesen **** (hier fehlen mir die Worte) Schritt damit, dass die Schüler dadurch zum Nachdenken angeregt werden sollen. Nachdenken sollte aber vielmehr die Frau Direktor. Es hat nämlich schon einmal eine Zeit gegeben, wo Menschen verpflichtet wurden, einen Anstecker zu tragen – damals war es ein Stern.
Ob die Frau Direktor Lesaffre sich wohl vorstellen kann, was sie jungen Leuten mit dieser Kennzeichnungspflicht antut (einen Verbrecher derart an den Pranger zu stellen würde gegen die Menschenrechte verstoßen)? “Es sind ja nur Raucher – minderwertige Menschen halt” wird sich die Gute wohl gedacht haben. Eine hochqualifizierte, herrvorragende Pädagogin – die weiß, wo´s lang geht…
In Belgien muss in solchen Dingen wohl mehr tolleriert (ist eigentlich kaum zu glauben, wenn man an das Verhalten des oberlehrermoralischen ehemaligen Außenministers Louis Michel bei den EU-Sanktionen gegen Österreich denkt) werden, wenn man bedenkt, was zB bei uns für ein Zirkus gemacht wird, wenn jemand, der eigenartig angezogen ist, drei Bier bestellt…
Die Idee dahinter – zum Nachdenken anregen – ist gut. Die Mittel, wie du richtig schreibst, völlig danebengegriffen. Auch wenn dein Vergleich ein wenig derb ist, ist er nicht von der Hand zu weisen. Auf die Art und Weise entsteht auch kein Dialog, der auf beiden Seiten Verständnisbewusstsein schafft, sondern bloß eine “Mauer”. Und um beim Geschichtlichen zu bleiben: Die haben auch noch niemandem geholfen.
28. Jan. 2007 | #
Ich nehme schon auch an, dass die Idee dahinter gut ist. Aber man muss zunächste selber nachdenken, wenn man andere zum Nachdenken anregen will. Mit Übertreibungen bewirkt man sehr leicht, dass in die falsche Richtung nachgedacht wird…
Zum Beispiel die gerade aktuelle COPT-Sache : Jedermann erkennt sehr leicht, dass hier übertrieben und bei den Ursachen ungewichtig (gelinde ausgedrückt) dargestellt wurde. Dazu muss man kein Mediziner sein. Der gewöhnliche Bürger sagt sich dann in etwa “oh je, wieder diese Koffer…”, riegelt ab und hört denen überhaupt nicht mehr zu. Erreicht wurde dann eigentlich das Gegenteil dessen, was beabsichtigt war: Noch mehr Leute können auch mit richtigen Argumenten nicht mehr erreicht werden.
28. Jan. 2007 | #
wobei man bei dem vergleich sehr wohl die unterschiede hervorkehren muss.
die kennzeichnung der juden im dritten reich hatte zur folge, dass diese gesellschaftlich verstoßen und opfer von schlimmen gewalttaten wurden.
die kennzeichnung von rauchenden schülern hat – ich wage die prognose – genau gar keinen negativen effekt, weil es die anderen schüler nicht kümmert. im schlimmsten fall geht es eher noch nach hinten los, weil irgendein alpha-tierchen mit einer raucherplakette rumrennt, und dass die anderen dann auch wollen.
natürlich verstehe ich die aufregung der raucher und warum sie versuchen, jede idee gegen “ihre sache” gleich irgendwie als superfaschismus zu outen, aber man sollte bei solchen vergleichen schon auch aufpassen, was man da eigentlich sagt. ich find diese aktion jetzt zwar auch nicht in ordnung oder hilfreich, aber vom judenstern ist die raucherplakette meilenweit entfernt.
29. Jan. 2007 | #
Habe eben im TV davon gehört, gegoogelt und auf diesen Blog gestossen. Interessant: der Vergleich mit dem Stern ist das Erste, was mir durch den Kopf gegangen ist als ich das gehört habe. Ich konnte es kaum glauben… darum gegoogelt.
Ausserordentlich bedauerlich (gelinde ausgedrückt) was für Entwiklungen sich da abzeichnen. Und da fragen sich gewisse Leute noch, dass andere, mitdenkende Menschen, gerne mal ein Bier trinken um nicht soviel denken zu müssen und kippen Qualmen um nicht zu lange leben zu müssen…
30. Jan. 2007 | #
@Tom
Den Stern als Vergleich habe ich, nach reiflicher Überlegung, bewusst gewählt. Auch damals hat es angeblich harmlos angefangen, das unsägliche Leid ist ja erste später über die Menschen gekommen (wenngleich ich mir sicher bin, dass die Verbrecher es von Anfang an geplant hatten).
Das mit “gar keinen negativen effekt” halte ich für eine sehr wage Prognose. Ich bin, wie Du wahrscheinlich auch, noch nicht gekennzeichnet/stigmatisiert worden. Ich kann mir aber vorstellen, wie unangenehm bzw verletztend das ist.
So etwas ist grundsätzlich abzulehnen. Der Zweck heiligt nicht die Mittel – und in diesem Fall schon gar nicht…
30. Jan. 2007 | #
wie gesagt, ich befürworte das ja nicht, es herrscht aber trotzdem ein gewaltiger qualitativer unterschied. und nein – damals hats nicht harmlos angefangen. zu dem zeitpunkt an dem die nazis für den judenstern an der jacke gesorgt haben, mussten die juden schon jahrzehntelange hetze und gewalttätige übergriffe über sich ergehen lassen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Judenstern
die hetze gegen juden begann nicht erst mit der machtübernahme der NSDAP…
30. Jan. 2007 | #
kurz: mein problem ist also nicht, dass du was gegen die kennzeichnung hast, sondern die verharmlosung der NS-kennzeichnung durch einen dermaßen hinkenden vergleich
30. Jan. 2007 | #