Ein Banküberfall in der wiener Mariahilferstraße, bei dem es auch zu einer Geselnahme gekommen ist, sorgt heute für mächtigen Medienrummel. Dass es sich ausgerechnet wieder um die sattsam bekannte BAWAG handelt, soll jetzt nicht das Thema sein.
Wie es am Ort des Geschehens aussehen mag, kann man sich auch mit wenig Fantasie vorstellen. Der Bereich um die Bank wird von Polizeikräften abgesperrt sein, um Passanten und die höchstwahrscheinlich, einem Heuschreckenschwarm gleich, eingefallenen Medienvertreter nicht zu gefährden.
Um ihre Arbeit überhaupt zu ermöglichen, muss die Polizei sogar eigene Leute abstellen, damit diese die Reporter und Kamerateams mit Informationen auf Distanz halten. So weit sind wir mit unserer Informationsgeilheit also schon gekommen. Es genügt uns nicht mehr, nach dem Ereignis umfassend informiert zu werden…
Den Vogel bei der Berichterstattungshysterie hat aber der ORF abgeschossen. So wurde in Ö3 gegen 13.40 Uhr berichtet, dass eben voll ausgerüstete Cobra-Männer (warum eigentlich nicht MännerInnen
) in ein Nebengebäude gegangen wären und wahrscheinlich versuchen würden, von hinten in die Bank zu gelangen. Eine bessere Unterstützung könnte sich ein Geiselnehmer gar nicht wünschen – solch genaue Informationen über seine “Gegner” könnte er nicht einmal von einem Komplizen bekommen. Na ja, einen Komplizen braucht er hier ja auch nicht, er hat ja den ORF als Außenposten
.
Den ORF-Informationsprofis ist sicherlich gar nicht bewusst, was sie hätten anrichten können. Wäre nämlich das der Beginn einer Befreiungsaktion gewesen und der Täter hätte Radio gehört (was er, wenn er nur einen Funken Hirn hat, auch macht…), wäre es unweigerlich zu einer Katastrophe gekommen (die Cobra-Leute bauen nämlich auf Überraschung und haben gewiss nicht die Zeit, Radio zu hören…).
Na ja, hoffen wir, dass niemand zu Schaden kommt und der ORF sich vielleicht doch überlegt, welche Informationen er sofort senden muss…