“Sylt statt Seychellen” ist derzeit der Schlachtruf in Deutschland. Bei uns heißt das dann “Salzkammergut statt Seychellen” oder “Trumer-Seen statt Thailand”, jedenfall nach Umweltminister Josef Pröll.
Der Zeitpunkt für die Aktion war gut gewählt – wenige Tage vor der weltgrößten Tourismusmesse haben sie zugeschlagen. Klimaforscher im Verein mit dem deutschen Umweltbundesamt prangern die schlechte ÖKO-Bilanz des Luftverkehrs an. Mit dem Ruf “Sylt statt Seychellen” will man die Deutschen dazu bewegen, auf Fernreisen zu verzichten und im eigenen Land, natürlich mit der Bahn, auf Urlaub zu fahren. Na dabei, die deutschen Urlaubsfahrer auf die Bahn zu bringen, wünsche ich ihnen aber viel Glück…
Wenn die deutschen Freunde eine undurchdachte Politaktion starten, dann dürfen wir natürlich nicht nachstehen. Unser Umweltminister ist sehr schnell auf den Zug aufgesprungen und fordert ebenfalls, Urlaub im eigenen Land zu machen. Minister Pröll hat auch gleich ein Beispiel parat: Der CO2-Ausstoß bei einem Flug auf die Kanarischen Inseln würde 14.000 Autokilometern und gar 34.000 Bahnkilometer entsprechen. Was er damit ausdrücken wollte, habe ich nicht wirklich verstanden. Will etwa der Minister, dass wir mit dem Auto oder der Bahn nach Gran Canaria fahren
?
Eines haben aber beide, die deutschen und österreichischen Aktionisten, vergessen, zu erwähnen. Sollen ihre Vorschläge nur für Deutsche und Österreicher gelten oder für andere auch? Wollen sie ernsthaft gegen Fernreisen eintreten und etwa die vielen Asiaten, die alljährlich unsere Städte besuchen, abweisen? Wollen sie die Russen von unseren Schipisten vertreiben (ein diesbezüglicher Versuch ist ja kürzlich erst im heiligen Land Tirol gescheitert
)? Was werden sie den Arbeitern und Angestellten der Luftfahrtindustrie und der Tourismusbranche sagen, deren Arbeitsplätze zu einem Großteil gefährdet wären? Wie werden sie das Devisen-Loch, dass ohne Tourismus entstehen würde, stopfen wollen? Wie werden sie unsere spanischen und griechischen Freunde beruhigen?
Normalerweise sind solche unausgegorene Politikerselbstdarstellungen ja lustig. Leider ist es hier aber so, dass bei dem undurchdachten Unsinn auch durchaus gute Ideen, zB der Pröll-Vorschlag bezüglich einer (längst fälligen) Besteuerung von Flugzeugtreibstoff, dabei sind. Diese werden jetzt wohl, durch den zu erwartenden gewaltigen Widerstand auch nicht umgesetzt werden können. Wenn´s so geplant war war´s schlau, wenn nicht, dann nicht…
[...] Die von den Deutschen geklaute Idee, Fernreisen (damit in logischer Konsequenz genauso innereuropäische Flüge) mit dem Schlachtruf “Salzkammergut statt Seychellen” madig zu machen, zeugte schon nicht von übertriebenem Sachverständnis. Der unmittelbar darauf folgende CO2-Vorstoß im Straßenverkehr – “Benzinfresser” höher zu besteuern – wohl noch weniger. Es scheint fast so, als ob Josef Pröll hier die Grünen mit deren eigenen Idee in Sachen Populismus noch übertreffen wollte. [...]
11. Mrz. 2007 | #
[...] Ziemlich rasch hat unser Umweltminister Josef Pröll begonnen, CO2 zu Thematisieren – ziemlich unqualifiziert zwar mit seinen Fernreisen, aber immerhin. Es kann natürlich auch sein, dass der Minister dabei nur eine Taktik, welche bei Rhetorik-Seminaren (dass er solche massig besucht haben muss, hört man ja bei jeder seiner Diskussionen heraus ) immer gepredigt wird, angewendet hat. Dabei wird vom Taktiker eine thematisch passende Ungeheuerlichkeit (die man so nie vor hatte, zu verwirklichen) in die Runde geworfen, um dann bei der entstehenden heftigen Diskussion nur mehr zuzuhören. So kann man den Leuten Dinge entlocken, die sie einem ansonsten niemals gesagt hätten. Ob das der Minister so gemacht hat, weiß ich nicht – jedenfalls hört man nun nicht viel zum Thema von ihm (könnte die Phase des Zuhörens sein). Es kann aber natürlich auch sein, dass ich ganz falsch liege und nur der “alte Pröll” ihm die Leviten gelesen hat… [...]
14. Mrz. 2007 | #