- übertitelt “Die Presse” einen Artikel über die neuen Regeln bei der 24-Stunden-Betreuung von Pflegebedürftigen. Es wird berichtet, dass die Patientenanwaltschaft, das Österreichische Hilfswerk und die Caritas das Modell als zu teuer kritisieren.
Was haben denn diese Herrschaften erwartet – etwa dass es goldene Eier regnen wird? Nach dem Wahlkampfthema Pflegenotstand war das eher nicht zu erwarten. Eine Rund-um-die-Uhr-Anwesenheit kostet nunmal Geld, das kann man drehen und wenden wie man will. Wer sich den Luxus leisten will, pflegebedürftige Angehörige zu Hause zu pflegen, ohne sich dabei die Hände schmutzig zu machen bzw die notwendige Zeit selbst aufzuwenden, der muss halt jemanden bezahlen, der das für ihn erledigt. So ungewöhnlich, wie alle derzeit tun, ist das wohl nicht. Und wenn ein Platz in einem Pflegeheim schon 2500.- bis 3000.- Euro im Monat kostet, dann erscheinen 4500.- Euro für eine 24-Stundenbetreuung zu Hause wohl auch nicht sehr viel. Das Problem ist vielmehr, dass die Pflegeheime zu teuer sind. Die kann sich ein Durchschnittsverdiener auch nicht leisten. Genau deshalb wurden nämlich die illegalen Pfleger, die mit Hungerlöhnen ausgenutzt wurden und werden, importiert. Und nebenbei verdienen sich die Vermittler (oder sollte man eher “Pflegemafia” dazu sagen?) mit diesen Leuten einen goldenen Arsch. Hier wäre es besser gewesen, die Regierung hätte sich darum gekümmert, dass diese Heime für Normalverdiener leistbar werden (zB mit Förderungen oder Bauzuschüssen etc).
Die Patientenanwaltschaft (angestachelt von der ÖVP?) will gar eine Verlängerung der Amnestie für die Rechtsbrecher – wahrscheinlich damit sich die Vermittler noch eine Weile über Wasser halten können und Zeit haben, ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen. Und was Hilfswerk und Caritas von der Neuregelung erwartet haben, ist mir auch klar. Die haben mit einem Bombengeschäft auf Kosten der Allgemeinheit gerechnet. Dazu hätte die öffentliche Hand nur die Pflege zu Hause (genau genommen das, was Hilfswerk und Caritas nach eigenem Gutdünken zu verlangen gedenken) zur Gänze bezahlen müssen. Es ist gut, dass es anders gekommen ist – so schlau wären andere auch…
[...] Nach langem, schweren Leiden wurde nun ein Pflegemodell von der Regierung präsentiert, welches sogleich von den Seniorenvertretern beider Regierungsparteien scharf kritisiert wird. Beide Politveteranen, Khol und Blecha, sind nicht sonderlich sympathisch, aber hier haben sie recht. Allerdings hätten sie ihren Parteien das auch schon vorher sagen können. Es war ja erkennbar, dass eine legale 24-Stunden-Pflege für den großteil der Bevölkerung keinesfalls leistbar sein würde. Oder haben die beiden Herren in einem Anfall von grenzenloser Naivität wirklich geglaubt, die öffentliche Hand würde den Luxus der Pflege zu Hause zur Gänze übernehmen und die Pflegeheime leer stehen lassen? [...]
18. Jun. 2007 | #