4. Jun. 2007
Weil die Badesaison nahen würde wäre die Bikinifigur wichtig wie nie, sagt man seit einigen Tagen laufend auf Ö3. Es wurde ein Trainings- und Ernährungsprogramm präsentiert, mit welchem man – konsequent durchgezogen – in zwei Wochen 5 Kilogramm abnehmen könne. Romana Nachbauer absolviert das Programm als Versuchskaninchen.
Normalerweise interessiert mich so ein Schmarrn ja nicht, aber die Sache wird so penetrant durchgezogen, dass ich mich als notorischer Ö3-Hörer dem nicht entziehen kann. Heute wurde Frau Nachbauer über ihr erstes Training gefragt. Sie sagte, dass es immens hart gewesen wäre und sie es fast nicht geschafft hätte. Das ist kein Wunder, denn das Programm ist zwar für einen halbwegs trainierten Menschen ein Klacks, für einen Antisportler aber annähernd Mord.
Da steht etwa auf der Ö3-Homepage zum Ausdauertraining folgendes: “Nach einer zweiminütigen Aufwärmphase (geringer Widerstand und gemütliches Tempo), gibt man eine Minute Vollgas und geht bis an seine Grenzen. Dann eine Minute das Tempo reduzieren – der Puls muss aber oben bleiben. Diesen Zyklus wiederholt man vier bis (maximal) sechs Mal.” Wer so schon einmal trainiert hat, weiß wie es da zur Sache geht – Intervalltraining ist auch für einen Trainierten eine harte Sache. Ähnlich schaut der Krafttrainingsteil aus – da steht geschrieben: “Beim Krafttraining wird ebenfalls in Intervallen trainiert. Die Übungen sind Hampelmann, Liegestütz und Strecksprung, die man jeweils zwanzig Mal wiederholt. Eine Serie sollte man drei bis vier Mal durchmachen, möglichst ohne Pause.” Das ist auch nicht ohne und das Programm sollte man 3x pro Woche (immer ein Tag Pause nach dem Training) machen. Dann sollte man, wenn man sich zusätzlich noch konsequent an die Ernährungstipps hält, in zwei Wochen 5 Kilo abnehmen.
Wenn man nun bedenkt, dass sich die Ö3-Aktion hauptsächlich an Frauen richtet – Bikinifigur – und die Abnahmewilligen wahrscheinlich untrainiert sind (sonst hätten sie ja keine Gewichtsprobleme), dann bringt dieses Programm die Teilnehmer höchstwahrscheinlich nur dazu, im weiteren Leben nie mehr Sport zu machen. Vom ersten Training an werden sie sich, mit jedem Tag mehr, freuen, wenn diese Plakerei vorbei ist und sie wieder rasten bzw normal essen können. Danach wird ihnen bei jedem Gedanken an sportliche Betätigung diese Plakerei wieder einfallen und zu einer inneren Sperre führen.
Man weiß ja, dass einem populären Sender eher weniger am Wohlergehen der Hörer gelegen ist – Hauptsache die Quoten stimmen, aber dennoch ist es um die Sache schade. Man hätte auch eine sinnvolle Aktion über einen längeren Zeitraum machen können, was zudem noch den Vorteil gehabt hätte, dass man länger darüber berichten hätte können. ZB könnte man Leute, die wirklich was machen wollen, motivieren, zu einem Leistungsdiagnostiker zu gehen und bei einem 10-Wochen-Programm begleiten. Wer da mitmachen würde, würde sich im Wellnessbereich bewegen und so ohne große Anstrengung, vermutlich dauerhaft, zum Ausdauersportler werden. Ja, und das Ernährungsprogramm würde sich dann erübrigen, denn wer regelmäßig Ausdauersport betreibt, weiß selber, was er essen soll – das regelt sich von alleine…