Bei der ÖH-Wahl soll das elektronische Wählen getestet und angeblich schon 2008 für alle Wahlen beschlossen werden. Warum die ÖVP ein elektronisches Wahlverfahren unbedingt haben will, scheint auf den ersten Blick schleierhaft – das was man auf den zweiten Blick erkennt, lässt befürchten, dass da die SPÖ freudig mitziehen wird.
Ich weiß zwar nicht, wie genau eine Wahl als e-Voting ablaufen soll, aber es dürfte unumgeänglich sein, dass die Person, die wählt, im System verifiziert werden muss. Ebenso klar scheint zu sein, dass im System auch festgehalten werden muss, was die Person gewählt hat. Das geht imho auch gar nicht anders, sonst könnte man nichts nachprüfen und dem Wahlschwindel wäre Tür und Tor geöffnet.
Es mag nun schon sein, dass durch eVoting eine Wahl rascher, bequemer und kostengünstiger abgewickelt werden kann. Doch der Preis dafür wäre das Wahlgeheimnis. Dieses gäbe es dann wohl nicht mehr, denn Daten, die irgendwo abgespeichert sind, können auch abgerufen werden – egal wie intelligent sie verschlüsselt sein mögen. Das hat auch Karl Korinek, Präsident des VfGH, dessen Amtsverständnis ich nicht immer teile, richtigerweise erkannt und lehnt die elektronisch Wahl ab.
Sollte das eVoting für allgemeine Wahlen tatsächlich eingeführt werden, wäre das die größte Sauerei seit langem. Das Wahlgeheimnis bestünde nur mehr auf dem Papier. Es ist zwar auch bei der Briefwahl auf wackeligen Beinen, jedoch kontrollieren sich die Mitglieder der Wahlkommission wenigstens gegenseitig. Beim eVoting kann aber ein findiger Informatiker alleine…
[...] followups gibts derzeit von kritikus.at, über weitere blogbeiträge würde ich mich freuen – bitte kommentieren! [...]
29. Apr. 2008 | #
[...] Dass ich das Wahlgeheimnis durch e-Voting für gefährdet halte, habe ich ja schon einmal kundgetan. Bei elektronischen Wahlmaschinen wird es, um Betrug vorzubeugen, eine gewisse Nachvollziehbarkeit (dh, letztendlich muss ein Bezug zwischen Wähler und dem, was er gewählt hat, herstellbar sein – wenn auch “tausendmal abgesichert”) geben müssen. Es kommt also zu einem Konflikt zwischen Betrugssicherheit und Wahlgeheimnis, bei dem letzteres insoferne auf der Strecke bleiben wird, weil man sich nicht mehr absolut sicher sein kann… [...]
21. Okt. 2008 | #
[...] Das will er wahrscheinlich werden, der Gio, unser Wissenschaftsminister. Er gibt nicht nach beim e-Voting. Das will er unbedingt haben, koste es was es wolle – auch wenn es die Demokratie ist… [...]
4. Dez. 2008 | #
[...] könnte jemand einmal den Gio fragen, wieviel seine das gesamte Wahlrecht untergrabenden eVoting-Ideen bis jetzt schon gekostet [...]
15. Mai. 2009 | #
[...] dass die frischgebackene Wissenschaftsministerin Beatrix Karl bei der ÖH-Wahl 2011 kein E-Voting einsetzen will. Leider hat die Sache einen exorbitanten [...]
3. Apr. 2010 | #