23. Dez. 2007
Unsere deutschen Freunde diskutieren zZt lebhaft über Monstergehälter und ob diese auch in irgendeiner Weise gerechtfertigt werden können. Zuerst waren Manager das Ziel der Diskussion, nun sind Spitzenfußballer an der Reihe und auch die Frage, ob Politiker nicht unterbezahlt sind, kommt nicht zu kurz.
Bei uns sind wir noch nicht so weit. Wir mokieren uns kleinlich darüber, dass Politiker auch Nebeneinkünfte haben und fordern sogar, dass diese ihre gesamten Einkünfte nicht nur offenlegen, sondern sogar im Internet veröffentlichen müssen. Andererseits aber wird der Innenminister als Metternich 2.0 heruntergemacht, weil er eine EU-Richtlinie verwirklicht – sehr gut geht das nicht zusammen
Aber zurück zu den Politikereinkommen – sind die nun zu niedrig oder nicht? Diese Frage lässt sich nicht so ohne weiteres beantworten. Eventuell könnte man sagen, dass Politiker, die ihren Job ernst nehmen, jedenfalls unterbezahlt sind. Diese Leute haben einen Arbeitstag der jedenfalls länger als 12 Stunden ist und das oft 7x die Woche. Bei der auch nicht so kleinen Gruppe von Politikern, welche die Sache nicht so genau nehmen oder auch intellektuell überfordert sind, dürfte es aber nicht so sein. Das ist die Gruppe, die alles abnickt, was die jeweilige Partei vorgibt und meistens den Sinn gar nicht versteht. Diese Gruppe ist gewiss nicht unterbezahlt, denn das könnte jeder Dorfdepp auch machen.
Vergleicht man nun die Gehälter, die in der Politik bezahlt werden, mit jenen der Manager oder Profifussballer, dann tritt da schon ein Missverhältnis zu Tage. Unlängst war ich bei einer Spatenstichfeier, wo sich naturgemäß auch viele Politiker und Manager präsentieren. Beim Smalltalk ging es kurz auch darüber, wer wohl besser dran wäre – der Landeshauptmann oder der Landesdirektor eines Bankkonzernes. Der Bankdirektor verdiene 2x soviel wie der Landeshauptmann und sei zudem im Schnitt keine 5x im Monat für seinen Arbeitgeber bis in die Nacht hinein unterwegs. Der Landeshauptmann ist dafür keine 5x im Monat abends zu Hause. Wenn ich wählen könnte, würde ich ungeschaut den Job als Bankdirektor vorziehen…
Grundsätzlich würde ich den Politikjob (immer nur die gemeint, die den Job ernst nehmen
) als Schwerarbeit einstufen – die Arbeitszeiten sind ausufernd, man muss sich laufend mit Leuten abgeben, egal ob man sie mag oder nicht, man muss essen/trinken, egal ob man Durst/Hunger hat oder nicht, und letztendlich ist es mit der Selbstverwirklichung auch nicht weit her, weil meist Sach-, Partei- oder Spindoktorzwänge entgegen stehen. Zu allem Überdruss sind die Spitzenjobs (zB Minister) auch noch Schleudersitze, wo ein unbedachtes Wort ausreicht, um zurückgetreten zu werden. Wie sehr der Job belastet, hat man bei Viktor Klima gut gesehen. Der ist sehr schnell vom Sunnyboy zum fahlen Gruftie geworden.
Bei Fußballern ist es ziemlich egal, wie viel sie verdienen (auch wenn ich der Meinung bin, dass ein einzelner Mensch solche Summen nicht wert sein kann). Bei Managern ist das schon nicht mehr ganz so. Die haben sehr oft Berührungspunkte mit Politikern und jemand, der ein Vielfaches verdient, hat bei Verhandlungen immer einen besseren Stand, als ein Hungerlöhner (die Möglichkeit von Korruption möchte ich hier gar nicht unterstellen…). Letztendlich ist diese Einkommensdifferenz gepaart mit der mangelnden Arbeitsplatzsicherheit in der Politik (nach einem plötzlichen Ausscheiden muss ein Politiker ja bei der Wirtschaft um einen Job betteln) dafür verantwortlich, dass sich bei Verhandlungen sehr oft die Anliegen der Wirtschaft durchsetzen und jene der Bevölkerung auf der Strecke bleiben.
Über Managereinkommen kann die Politik zwar diskutieren, beeinflussen wird sie dese aber kaum können. Darum müsste man, wollte man den Zustand ändern, die Gehälter in der Politik erhöhen. Man könnte das sehr leicht und kostenneutral machen. Es müssten einfach die Politikergehälter massiv angehoben und die Posten im selben Ausmaß reduziert werden. Etwa würde der Nationalrat mit 90 Abgeordneten, die doppelt soviel verdienen, wahrscheinlich besser funktionieren und die paar Sitzungen des Bundesrates könnten durch Zusammenkünfte der Landesregierungen sicherlich auch erledigt werden. Natürlich müssten dabei auch Pflichten auferlegt werden – etwa dass ein Politiker ein Gesetz, dem er zustimmt, auch gelesen hat und vor allem versteht – bei zweitgenannter Hürde würden wahrscheinlich alleine schon 50% ausscheiden…