Marco W. ist gegen Kaution aus türkischer (Untersuchungs)Haft entlassen worden. Die Frage, warum ein 17-jähriger bei höchst unsicherer Beweislage 8 Monate in U-Haft sitzen musste, wird der türkischen Justiz wohl zu gegebener Zeit massiv gestellt werden.
Der 17-jähriger Marco W. aus Deutschland war im April in der Türkei verhaftet worden. Er war mit der 13-jährigen Charlotte aus England in deren Hotelzimmer mitgegangen. Laut Marcos Aussagen sei es zu gemeinsamen Zärtlichkeiten gekommen und Charlotte hätte sich als 15-Jährige ausgegeben. Diese wiederum spricht von sexueller Belästigung (eine Chronologie des Falles).
Solche Fälle sind immer ein Dilemma für die zuständige Justiz. Schuldig oder unschuldig ist nämlich nicht festzustellen, wenn keine Zeugen vorhanden sind und Aussage gegen Aussage steht. Für eine Verurteilung in einem Rechtsstaat muss die Schuld aber ohne den geringsten Zweifel feststehen. Dh im Klartext, dass Marco (nachdem, was bis jetzt über den Fall bekannt geworden ist) in einem Rechtsstaat freigesprochen (wenn auch im Zweifel) werden müsste. Wenn einem das aber schon der Hausverstand sagt, frage ich mich, warum Profis dann einen Jugendlichen so lange einsperren müssen – für nichts und wieder nichts…
PS: Unlängst wurde bei uns ein mutmaßlicher Mörder nach eineinhalb Jahren aus der U-Haft entlassen, weil ein Zeuge seine Aussage um 180 Grad gedreht hat. Das bezeichnete die allgemeine veröffentlichte Meinung als (Polizei?)Skandal, weil ein Unschuldiger nur aufgrund der Aussage eines einzigen Zeugen so lange in U-Haft hatte sitzen müssen…
PPS: Keinesfalls will ich mit diesem Beitrag eine Wertung bezüglich schuldig/unschuldig abgeben. Das kann in diesem Fall sicherlich niemand und somit ich auch nicht