Es ist schon eine Zeit her, dass man begann, Aufgaben der öffentlichen Hand zu privatisieren. Begonnen hat es mit den schwer defizitären Staatsbetrieben – soweit war man ja noch auf dem richtigen Weg…
Irgendwann dann wurde von diesem richtigen Weg abgewichen und man ging (zunächst zaghaft) daran, auch die wichtige Infrastruktur (Post, Bahn, Energie, Straßen etc) zu privatisieren. Mittlerweise ist man bereits soweit vom Weg abgekommen, dass kein Ziel mehr in Sicht zu sein scheint. Die Infrastruktur ist (mehr oder weniger) bereits ausverkauft und man lagert bereits auch Sicherheitsagenden aus.
Privatsheriffs werden immer mehr und wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass schlecht ausgebildete und noch schlechter bezahlte Leute in Fantasieuniformen, wo dann niemand so recht mehr wissen wird, für wen die arbeiten, für unsere Sicherheit sorgen bzw uns überwachen werden. Diese Scurity-Unternehmen werden deshalb überhand nehmen, weil unsere Polizei immer mehr zusammengespart und durch übertriebenen Bürokratismus und Formvorschriften, beides nicht zuletzt aus der ausufernden Gesetzesflut resultierend, zunehmend handlungsunfähig wird.
Das alleine wäre schon beunruhigend genug, es ist aber noch nicht alles. Wahrscheinlich gab es sie auch schon früher, aber seit dem Irakkrieg ist es Allgemeinwissen, dass auch private “Sicherheitsfirmen” (besser wohl “Söldnerfirmen”) in Kriegsgebieten im Einsatz sind. Angeblich schützen sie nur Personen und Firmen – angeblich! Die Spatzen pfeiffen aber von den Dächern, dass diese Firmen auch aktiv in das Kriegsgeschehen eingreifen. Und noch schlimmer, sie tun das oft im Auftrag von Regierungen, etwa wenn eine Drecksarbeit ansteht bzw wenn die eigenen Soldaten für riskante Jobs zu schade erscheinen. Diese Sicherheitsfirmen sind im allgemeinen handlungsfähiger als reguläre Soldaten, weil sie ja so ziemlich außerhalb der Gesetze stehen und ihre Angestellten (um nicht zu sagen “Söldner”) an keinerlei Vorschriften (zB Verhältnismäßigkeit) gebunden sind. Für eine Regierung ist es dadurch ein großer Vorteil, mit halbseidenen (unkonkreten) Aufträgen Sicherheitsfirmen wüten zu lassen. Den Auftrag kann man ja dann im Falle des Falles abstreiten und die ganze Schuld auf die Privaten schieben…
Man liest in den Medien, dass solche Firmen zZt geradezu boomen, ja sogar private Geheimdienst im Entstehen sind, und immer mehr werden. Wie lange wird es wohl noch dauern, bis solche Sicherheitsfirmen sich in Krisenländern verselbstständigen und ihre Führer zu Warlords werden?
Hier sollte man jetzt wieder den Bogen zu uns, den (noch) sicheren Rechtsstaaten spannen. Wie lange wohl wird es noch dauern, bis die Securtys mehr Leute unter Waffen (noch dazu bessere und schwerere) haben werden, als die Polizei? Wird dann der Rechtsstaat noch so mir nichts dir nichts durchzusetzen sein oder müssen wird damit rechnen, über kurz oder lang von gesetzlosen Warlords – mit allen Konsequenzen – regiert zu werden?