Der Sozialminister arbeitet an einer Bundeskampagne. Diesmal sollen die Jugendlichen gewaltabstinent (um ihnen Alkohol, Zigaretten, Süßzeug, Cola und Burger auszutreiben, sind andere zuständig
) gemacht werden. Ganz so, als ob “die Jugendlichen” allesamt Gewaltmonster wären.
Dass die geplante Kampagne eine Stange Geld kosten wird, steht wohl außer Streit. Einerseits deshalb, weil Bundeskampagnen immer viel kosten und andererseits, weil der französische Ausnahmefußballer Zinedine Zidane dazu verpflichtet werden soll (solche Leute machen ja bekanntlich nichts umsonst). Dass die Kampagne nichts bringen wird, scheint ebenfalls klar, wird doch gewöhnlich mit Ministerprofilierungskampagnen immer um viel Geld wenig bis gar nichts erreicht
Nachdem die Kostenfrage jetzt geklärt ist, wollen wir uns die geplante Kampagne näher anschauen. Es soll, laut Minister, den Jugendlichen verklickert werden, dass sich Gewalt nicht auszahle. Eben dazu würde man gerne den Fußballprofi Zidane gewinnen. Dieser habe zwar seine Karriere mit einem Kopfstoß gegen einen Gegenspieler unrühmlich beendet, hätte sich aber später entschuldigt und den Kopfstoß bereut.
Ob die Wahl des Ministers so gut war, wage ich (abseits der Kostenfrage) zu bezweifeln. Der Zidane-Kopfstoß wurde oft genug im Fernsehen gezeigt. Ich persönlich habe so eine rohe, so offensichtlich bewusst ausgeführte Gewalt bei einem Fußballspiel noch nicht gesehen. Materazzi hat den Brachialstoß recht gut überstanden, aber ein untrainierter oder gar älterer Mensch hätte zweifelsohne massive Verletzungen davon getragen. Es stimmt zwar, Zidane hat sich später, wohl auf Druck der Medien, entschuldigt – bereut hat er die Sache aber sicherlich nicht. Hatte doch Marco Materazzi seine Schwester beleidigt – also Ehrensache…
Ich frage mich, was sollen gewalttätige Jugendliche von so einer Kampagne mitnehmen? Dass man jemanden ohne weiteres niederschlagen kann und dann mit einer halbherzigen Entschuldigung – Reue ist gar nicht notwendig – davonkommt? Dazu bräuchte es keine teure Kampagne, das wissen die jungen Gewalttäter (die eine verschwindende Minderheit unter den Jugendlichen darstellen) ja auch so. Die Diversion (wo Opfer zu Tätern gemacht werden) kennen sie ja schon alle…
Wie auch immer, in irgendeiner Form wird die Kampagne gemacht werden und am Ende wird es wieder heißen, “Außer Spesen nichts gewesen”. Aber was soll man machen, die aufgeblähte Hochbürokratie in den Ministerien muss ja etwas tun, um Dasein und Gehälter zu rechtfertigen. Da kann man halt nicht auch noch verlangen, dass sie etwas Sinnvolles machen…
PS: Oben ist zwar hauptsächlich von der Kampagne des Sozialministeriums die Rede, man kann das Gesagte aber auch auf nahezu alle Ministerbeweihräucherungsaktionen – nichts anderes sind die diversen Informations-Kampagnen ja – der anderen Ministerien anwenden, auch wenn die keine Fußballer unter Vertrag genommen werden…
Es liegt am Fast-Food. Zumindest in Amerika. Da hat es eine Untersuchung gegeben und die hat zweifelsfrei ergeben, daß Personen, die Fast-Food zu sich nehmen, deutlich agressiver sind, als Personen, die solches nicht oder nur selten zu sich nehmen.
Fazit: Im Gefängnis von sowieso soll nun Grünfutter auf den Speiseplan kommen. oder so ähnlich.
12. Feb. 2008 | #