Es ist wieder einmal so weit, die Krankenkassen sind pleite – und das trotz der vielen Raucher und Dicken. Die Ursachen der Finanzmisere sind wahrscheinlich vielfältig, die fotolose eCard und das Ärztesponsoring der Pharmaindustrie wird man aber getrost als Beispiel nennen müssen…
Der Ausspruch „Wir geben mehr, als wir nehmen“ vom Chef des Hauptverbandes der Sozialversicherungs-Träger, Erich Laminger, fällt einem in dem Zusammenhang auf. Den muss man zweimal lesen, damit man es glauben kann.
Einerseits ist es zwar einen Binsenweisheit (no-na-net wird man mehr Ausgaben als Einnahmen gehabt haben wenn man pleite ist…
), andererseits aber ist es eine Ungeheuerlichkeit. Ungeheuerlich deshalb, weil damit aufgezeigt wird, dass man sehenden Auges in die Finanzmisere maschiert ist. Es ist also nicht aus Versehen und auch nicht aus Dummheit passiert. Man hat hier ganz bewusst anderer Leute Geld “verwirtschaftet”.
“Wer die ihm durch Gesetz, behördlichen Auftrag oder Rechtsgeschäft eingeräumte Befugnis, über fremdes Vermögen zu verfügen oder einen anderen zu verpflichten, wissentlich mißbraucht und dadurch dem anderen einen Vermögensnachteil zufügt, ist mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen zu bestrafen.” heißt es im § 153 unseres Strafgesetzbuches. Ab einem Schaden von 40.000 Euro drohen sogar bis zu zehn Jahre Haft…
Wie auch immer, es wäre höchst an der Zeit, sich über die Zukunft des Gesundheitswesens ernstlich Gedanken zu machen. Etwa ob man nicht doch ein Foto auf die eCard geben könnte oder man Zuwendungen von Pharmafirmen an Ärzte nicht so behandeln sollte, als wären es solche an Beamte. Auch ein allgemeiner Selbstbehalt (viele zahlen ja jetzt schon freiwillig einen – vertragslose Ärzte könnten ja sonst nicht leben) – vielleicht sozial gedeckelt (wie zB bei der Rezeptgebühr) sollte nicht tabu sein.
Aber als gelernter Österreicher weiß man ja was kommen wird. Die Zigarettenpreise werden angehoben (selbstverständlich nur der Gesundheit willen
) und der Krankenkassenbeitrag wird angepasst (heißt natürlich – wie immer – erhöht
) werden. Dann geht´s schon wieder eine Weile lang…
Jaja die lieben kranken Kassen. Ich hab da auch so meine Erfahrungen gemacht. Ein, auch höchst subjektives, Beispiel:
Ein Mitarbeiter wird gekündigt, geht gleich am nächsten Tag in Krankenstand. Meldet sich nicht und hetzt einem, nachdem man die restlichen Arbeitstage nach der 1 Woche Krankenstand – die nicht mit neuer Bestätigung verlängert wurde – als Urlaub verrechnet hat, die Gewerkschaft auf den Hals und fordert, da ja jetzt der Krankenstand vom Arzt verlängert wurde (oh Wunder und das nach über einem Monat) das Geld für den nicht verbrauchten Urlaub zurück.
Gleich von Anfang an war mir der KS suspekt, wurde auch der GKK mitgeteilt, aber naja, die lassen sich auch alles gefallen.
Wie gesagt ein höchst subjektiv geschildertes Ereignis, aber genau so wars.
18. Feb. 2008 | #
Solche und ähnliche Beispiele könnte man viele nennen. Das Problem ist, dass die Ärzte allermeistens alles bestätigen, was der Patient will. Man kann es ihnen aber nicht einmal verübeln, denn in unserem System sind die Ärzte selbstständige Geschäftsleute und können es sich als solche meistens nicht leisten, ihre Kunden zu vergraulen…
18. Feb. 2008 | #
Da haben Sie ganz und gar recht, aber unabhängig davon könnte ja die Krankenkasse auf diverse Hinweise und Unregelmäßigkeiten reagieren. Da stellt sich natürlich wieder die Frage, welche Hinweise dieser Art aufgegriffen werden sollen.
20. Feb. 2008 | #
Vielleicht wär das ja ein Thema für einen Blog-Beitrag von Dir. Die Mainstream-Medien schweigen´s tot.
http://www.loub.at/?p=141
21. Feb. 2008 | #
Vielen Dank für den Hinweis. Ich habe in der Tat schon daran gedacht, einen Beitrag anlässlich des letzten Straßenbahnunfalles (Mann mitgeschleift – Fahrer konnte es aufgrund fehlender Rückspiegel nicht sehen) einen Beitrag zu schreiben. Ich habe das aber wieder verworfen, weil ich Wien meide (manche dort hassen sogar mein Auto…
) und somit die Öffis und das Drumherum überhaupt nicht kenne…
22. Feb. 2008 | #