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20. Mrz. 2008

Scotland Yard, die Kriminalpolizei schlechthin, dürfte wohl ziemlich auf den Hund gekommen sein. Sie möchte allen Ernstes DNA-Proben von verhaltensauffälligen Kindern nehmen, weil diese später zur Kriminalität neigen würden.

So ungeheuerlich es auch klingen mag, es ist kein Scherz. Gary Pugh, der leitende Kriminaltechniker bei Scotland Yard schließt aus Auffälligkeiten von Kindern im Vorschulalter auf spätere kriminelle Karrieren und möchte deshalb deren DNA vorsorglich in einer Datenbank abspeichern. Eine Rauferei zwischen Kindergartenkindern dürfte schon genügen, damit diese für den netten Herrn als potentielle Gewalttäter gebrandmarkt werden sollten.

Wenn auffällige Kinder in einer DNA-Datenbank gespeichert sind, sparen wir uns in Zukunft Zeit und Milliarden an Kosten um Kriminalfälle aufzuklären, und wir können frühzeitig verhindern, dass der Nachwuchs auf die schiefe Bahn gerät” meint Herr Pugh. Mit diesem Argument könnte man verhaltensauffällige Kinder auch gleich liquidieren. Das wäre noch billiger…

 

PS: Hoffentlich bekommt Freund Kyprianou die Idee dieser Yard-Ignoranten und auch jene von Jacques Barrot nicht mit. Sonst ist die EU-weite Raucherdatei auch nicht mehr weit… :)

4 Kommentare »

  1. Georg Pichler schreibt:

    So sehr ich dir bei diesem Artikel ausdrücklich zustimme, aber der Vergleich dieser drastischen und mMn menschenverachtenden Forderung dem Gesellschaftskonflikt rund ums Rauchen (verursacht durch ein Suchtmittel und den verschiedenen Haltungen dazu – das Problem sind da eben nicht die Menschen, sondern die Zigaretten, konkreter eigentlich die Art und Weise sie zu konsumieren, weil sie andere unfreiwillig in den Konsum miteinbezieht)… diesen Vergleich finde ich unter aller Sau.

    Solche Querverbindungen zu ziehen ist ähnlich inakzeptabel wie die “Nichtraucherfaschisten”-Aussagen und Konsorten. Und ja, es gibt sie von beiden Seiten, keine Frage, doch das macht sie nicht akzeptabler…

    20. Mrz. 2008 | #

  2. kritikus schreibt:

    So bin ich eben, einfach gestrickt und leicht zu durchschauen. Und außerdem steht der Hinweis ja unter “PS:”, gehört also nur bedingt zum Beitrag… :)

    Wenn ich es aber so bedenke, bestehen für diese Sachen (in unterschiedlicher Qualität zwar) dann doch Verbindungen, weil sie auf den gleichen Mechanismen beruhen. Bei beiden wird vorher an´s Hysterische grenzende Angst geschürt (hier ist es die Kriminalität – da der “sofort tötende” Passivrauch), um die Zustimmung zu Maßnahmen zu erlangen, für die es sonst keine Zustimmung gäbe. Und Du weißt ja, ich betrachte den Krieg gegen die Raucher nicht isoliert, sondern als Teil (Anfang) von einem Ganzen… ;)

    21. Mrz. 2008 | #

  3. Georg Pichler schreibt:

    Wie auch immer du ihn betrachtest – ein überwachungsstaatlicher Vorstoß (wohlgemerkt noch dazu im ohnehin schon geprägten England, in dem du ohne Verhandlung mittlerweile monatelang festgehalten werden kannst, nur weil du dich nicht an einem x-beliebigen öffentlichen Ort ausweisen konntest) dieser Güte mit dem Szenario “Rauchen” zu vergleichen, geht zu weit.

    Es gibt in der Rauchfrage immer noch viel mehr gemäßigte Leute als Hardliner – welche man davon letztlich in den Medien hört ist da eine andere Sache. Aber – um schon nach deinem Mechanismuspromzip zu gehen – schau dir mal Berichterstattung über Afghanistan an: Da flimmert auch ständig irgendein Terrorist übern Bildschirm, obwohl da Gros der Leute wohl einfach nur in Frieden leben möchte und nicht im Traum dran denkt jemanden in die Luft zu sprengen weil er den Islam nicht als politische Waffe auslegt.

    Ich für meinen Teil bin bereit einen Teil der langfristigen Kosten durch das Rauchen mitzutragen. Dass die auf Zeit immer stärker beeinträchtigte Gesundheit von Rauchern durchaus auf allgemeine Kosten geht ist nicht konstruiert, sondern schlichtweg logisch. Was, wenn jemand folgebedingt in Frühpension geht? Was, wenn jemand folgebedingt immer öfter beim Arzt ist? Wie sieht es mit dem Leistungsabfall aus? Über die Kosten von Krebstherapien will ich mich an der Stelle nicht auslassen, glücklicherweise kriegt nicht automatisch jeder Raucher automatisch diese heimtückische Krankheit, das Risiko ist aber erwiesenermaßen größer. Und da du dann im Verhältnis mehr Krebskranke hast, deren Leiden relativ klar mit Zigarettenkonsum in Zusammenhang gebracht werden kann, ist auch das Anteilsverhältnis an den Gesamtkosten ein größeres.

    Trotzdem noch einmal: Es gibt genug schleichende Folgen, genug Leute die nicht an Krebs erkranken und trotzdem ordentlich an Gesundheit einbüßen, damit an Leistungsfähigkeit in der Arbeit verlieren und über die nötige medizinische Versorgung Mehrkosten produzieren.

    Viel schlimmer aber: Sie verlieren selbst früh an Lebensqualität, und das kannst du nicht in Geld aufwiegen. Die kann niemand mehr zurückgeben.

    21. Mrz. 2008 | #

  4. kritikus.at » Blog Archiv » Politboulevard schreibt:

    [...] Verdammt, jetzt taucht auch noch der Fall des Zwölfjährigen auf, der in Klagenfurt ein achtjähriges Mädchen in den Keller gelockt und sexuell missbraucht hat. Da scheint jetzt das Brainstorming der Parteien vollends für die Katz gewesen zu sein. Mit den geborenen Ideen könnte so ein Fall unter Kindern ganz sicher nicht verhindert werden (sowas können wohl nur die Briten). Andere Fälle wahrscheinlich auch nicht, aber was interessiert das den Boulevard schon, der lebt ja nur für den Augenblick. [...]

    6. Mai. 2008 | #

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