Die Wahlbeteiligung sinkt, und die Verdrossenheit der Bürger über ihre Politiker steigt. Das Gemeinwesen zerfällt, weil die inneren Gegensätze zunehmen. Wann erreicht diese Entwicklung auch uns? In Schengeneuropa wurden die Grenzen abgeschafft. Lang wird es also nicht mehr dauern.
In unserer Wegwerfgesellschaft werden unzählige Dinge erfunden und produziert, die niemand braucht und die trotzdem alle kaufen - das ist nicht neu. Jetzt dürfte aber ein ganz großer Wurf gelungen sein, das Wegwerfhandy kommt nach Europa.
Nach Heise hat die amerikanische Firma Hop On aus Europa einen Auftrag zur Lieferung von 10000 Wegwerfhandys - Hop 1900 – erhalten. Das wird sicher trendy werden, ist ja sowas von chic. Und alles so simpel, einfach austelefonieren, wegschmeissen und ein neues kaufen – einfach toll, diese Innovation. Sicher wird es auch wieder einige ewig Gestrige geben, die von Ressourcenverschwendung und davon, dass wir nicht auf Kosten folgender Generationen prassen sollten, faseln. Angesichts solch fulminanter Errungenschaften (man kann sein Handy wegwerfen so oft man will und es kostet nicht viel
) können solche Unkenrufer aber getrost ignoriert werden
Eine Gruppe wird sich ganz besonders über die Wegwerfhandys freuen – die Kriminellen. Diese Gruppe muss ja, von Geschäfts wegen, die Handynummern schneller wechseln als andere die Hemden. Und wenn schnell einmal zehn, fufzehn Handys für einen Coup benötigt werden, lassen sich doch beträchtlich Kosten sparen…
Einen dramatischen Absturz bei Meinungsumfragen sieht sich der britische Premierminister Gordon Brown gegenüber. Seine Werte sind von +48 auf -37 Punkte gefallen. Ein derartiges Losing hat es bei einem amtierenden Premier in GB angeblich noch niemals gegeben.
Was lasten die Briten ihrem Chef an, dass sie ihm derart eins reinwürgen? Nach Reuters-Deutschland hat er mit den Auswirkungen der Kreditkrise zu kämpfen, die an seinem Image als wirtschaftskompetenter Politiker nagen.
Das kann aber unmöglich alles sein. Der Großteil der Briten wird wohl die Auswirkungen der Kreditmisere (noch) gar nicht spüren. Es muss also in der Amtszeit von Gordon Brown (seit August 2007) etwas passiert sein, dass sehr viele Briten – quer durch alle Schichten – extrem verärgert hat. Auch seine Labourpartei ist mit 28 Prozent gegenüber den Konservativen mit über 44 Prozent doch schon ziemlich abgeschlagen.
Eine Sache würde mir da schon einfallen, die in GB im Juli 2007 in Kraft getreten ist, deren Auswirkungen vielen Briten erst mit der Zeit voll bewusst geworden sein wird und an die sie tagtäglich erinnert werden. Mein erster Verdacht war (einige werden sich das schon gedacht haben
) das Rauchverbot. Aber das kann es sicher auch nicht sein, denn es wird ja immer berichtet, wie super toll dieses ist und wie zufrieden die Briten damit sind, ja als ob sie nie etwas anderes gewollt hätten…
Eine Studie behauptet, Raucher seien für den Staat billiger als Nichtraucher, eine andere behauptet glatt das Gegenteil. Da soll sich einer auskennen…
Zuerst errechnete das nationale Institut für öffentliche Gesundheit und Umwelt in den Niederlanden, dass Raucher aufgrund der geringeren Lebenserwartung der öffentlichen Hand um durchschnittlich 60.000.- Euro billiger kommen würden. Das, was die Holländer da nachgerechnet haben, wusste man in der Versicherungswirtschaft in Großbritannien schon länger. Da gibt es bei den privaten Krankenversicherungen schon niedrigere Prämien für Raucher. Aber auch in Holland denkt man jetzt über eine Raucherversicherung nach.
Jetzt taucht plötzlich eine Studie des IHS auf, die für Österreich das genaue Gegenteil behauptet. 500 Millionen Euro würden die Raucher dem Staate Österreich jährlich kosten. Hmmm??? – Unterscheiden wir uns wirklich so stark von den Holländern?
Auf den ersten Blick fällt mir auf, dass die Studie des IHS genau von dem Pharma-Konzern in Auftrag gegeben wurde, der sich mit Anti-Rauch-Kaugummi und Anti-Rauch-Pille krumm und bucklig verdient. Könnte es nicht sein, dass dieser Konzern mit den Anti-Rauch-Produkten noch mehr verdienen will und sich deshalb eine Studie gekauft hat? Kann sicher nicht so sein, denn dann würde das IHS ja “wissenschaftliches” Lobbying betreiben…
PS: Irgendwie scheine ich mich jetzt zu erinnern, dass gerade das IHS auch sehr oft davon spricht, wie unsicher unser Pensionssystem ist. Vielleicht sollte jemand dort mal nachfragen, wer diese Studien alle in Auftrag gegeben hat. Mich würde es jedenfalls nicht wundern, wenn es immer die Versicherungswirtschaft gewesen wäre. Die verdienen nämlich, wenn die Leute in private Pensionsversicherungen getrieben werden…
Siegfried Nagl (ÖVP), seines Zeichens Bürgermeister zu Graz, ist eben auch auf den Zug der Verbotsfetischisten aufgesprungen. Er will auch ein Handy-Verbot für alle Öffis in Graz.
Er will halt nicht länger von Klingeltönen und lauten Telefonaten belästigt werden. “In Linz soll es ja auch eines geben. Ich will auch in den Fahrzeugen der Grazer Verkehrsbetriebe ein Handy-Verbot durchsetzten“, sagte er zur Kleinen Zeitung. Leider hat sich der Bürgermeister nicht darüber geäußert, ob er auch lautes Sprechen (ohne Handy am Ohr) oder Kindergeschrei in den Öffis verbieten will…
Nun ist die Tendenz zu Handy-Verboten nicht neu und die grazer Sache wäre mir somit keinen Griff in die Tastatur wert gewesen. Aber wie so oft steckt der Hund im Detail:
“Natürlich soll das keine Bevormundung sein, meint Nagl. Man müsse die Menschen eben vor sich selbst schützen.” (Zitat aus “Die Presse”).
Volltreffer, das hat gesessen. Jetzt wissen wir, dass sich der Siegfried Nagl auch der missionarischen Liga zur Zwangsgesundung angeschlossen hat
Ich habe mich schon oft gefragt, warum es so viele Untersuchungsausschüsse in immer kürzeren Abständen zueinander gibt, obwohl doch noch nie etwas dabei herausgekommen ist. Dabei habe ich sogar schon über die Möglichkeit eines ständigen Untersuchungsausschusses nachgedacht, um den damit verbunden Zirkus in Grenzen zu halten…
Gerade lese ich in den Medien, dass der Untersuchungsausschuss über Vorgänge im Innenministerium auch einen Haufen Geld kostet. Na ja, das ist nichts Neues und wäre mir auch nicht aufgefallen. Bemerkenswert ist nur, dass die Parlamentsklubs dafür jeweils 10000.- Euro monatlich zusätzlich bekommen, was mehr als doppelt so viel ist, wie sie für die vorangegangen Ausschüsse als Aufwandsentschädigung erhalten hatten. Zusätzlich gibt´s noch einige andere Goodies – zB Laptops – auf Regimentskosten.
Nun brauche ich nicht mehr nachdenken, jetzt ist mir klar geworden, worum es bei Untersuchungsausschüssen wirklich geht. Es geht nur um die Kohlen, denn wer verzichtet schon gerne auf ein sattes Zubrot…
Scheinbar läuft es bei den Verhandlungen zur Krankenkassensanierung nicht so gut für die Weißkittel, denn ihr Kammerhäuptling, Walter Dorner, bereitet offenbar einen Stellvertreterkrieg gegen die Radfahrer vor. Der gute Mann stellt eine Steigerung bei den Verletzungen von Radfahrern fest und fordert Restriktionen gegen diese.
Eine Steigerung gibt es wirklich. Für 2007 wurden an die 6000 Verletzungen im Zusammenhang mit Radfahren registriert, was einer Steigerung von 8 Prozent entspricht. Das ist ohne Zweifel viel, aber dem politisierenden, sonst aber für die Ärzteschaft wenig bis gar nichts ausrichtenden, Präsidenten dürfte entgangen sein, dass auch viel mehr mit dem Fahrrad gefahren worden ist und dass das auch viele positive Aspekte (Gesundheit, Luftqualität etc) hat. Außerdem hören sich seine Thesen merkwürdig an. Im Standard ist etwa ua zu lesen:
“Mittlerweile sei jeder sechste Patient, der nach einem Verkehrsunfall im Krankenhaus stationär behandelt werde, ein Radler, verwies Dorner auf eine Untersuchung der Innsbrucker Universitätsklinik. Jeder fünfte verunfallte Radfahrer komme sogar mit Mehrfachverletzungen ins Spital, darunter besonders prominent Gesichts- und Schädelverletzungen.”
Was der gute Herr Dorner da beschreibt, trifft sicherlich nicht auf ganz Österreich und schon gar nicht auf alle Radfahrer zu. Hier wird es wohl vielmehr allgemein um das immer populärer werdende Mountainbiken im alpinen Gelände, und im Besonderen um jene, für die dabei nur ein besonders hoher Adrenalinspiegel zählt, gehen.
Weil auch ein hoher Prozentsatz der verletzten Radfahrer alkoholisiert wäre, soll laut Dorner die Polizei verstärkt auf Radfahrer achten. Die Polizisten sollen dann wahrscheinlich die Biker beim halsbrecherischen ”Downhill“ anhalten (jene, die saufen tun das ja sicherlich nicht vor oder während der Aufstiegsquälerei) und blasen lassen. Na, da wünsche ich aber viel Glück dabei…
Bei soviel präsidialem Einsatz wird wohl die Forderung nach einer Helmpflicht (sowie Handy- und Rauchverbot…) für Radfahrer auch bald wieder erklingen. Das berüchtigte KfV wird sich nämlich sicherlich nicht lange bitten lassen und entsprechenden Senf dazugeben…
Beim Rauchverbot sind sie Weltspitze, die Italiener. Beim Wein auch – 20 Prozent am Stock gereift, 80 Prozent auf der Kellerstiege gewachsen und das dann noch garniert mit allem, was Gott verboten hat. Liest man die Liste der Ingredenzien, dann kommt einem gar nicht mehr so übertrieben vor, dass der “Stern” über “Frankenstein-Weine” schreibt…
Einen ausgewachsenen Weinskandal haben sie da (wieder) ins Land gestellt. Millionen Liter gesundheitsschädlichen Fusel, der auch massig krebserregende Stoffe enthält, wurden gemixt und verkauft. Nach dem Dioxin-Mozarella, der sich dagegen wie ein Lercherlschas ausnimmt, der nächste Lebensmittelskandal aus dem gesunden, rauchfreien Italien.
Hier werden Erinnerungen an den unseligen Glykolskandal in unseren Landen wach. Damals waren findige Händler und Winzer auf die Idee gekommen Diethylenglykol dem Wein beizumischen, um höhere Qualitäten vorzutäuschen. In der Folge wurde durch monatelange Berichterstattung die heimische Weinwirtschaft nahezu zerstört – in Belgien wurde Wein aus Österreich sogar verboten (schon damals zeigten unsere belgischen Freunde, dass sie uns nicht gar so mögen…
). Trotz alldem war der Glykolskandal ein Segen für den heimischen Weinbau, denn in der Folge wurde die Spreu vom Weizen getrennt und nun haben wir eine kontrollierte Qualitätsproduktion, die sich sehen lassen kann.
Unsere rauchfreien Nachbarn im Süden werden das Problem sicher anders lösen – Erfahrungen haben sie da ja noch von ihrem letzten Weinskandal anno 1986, den die Krisenmanager recht schnell neutralisiert hatten, obwohl dabei an die 20 Konsumenten gestorben sind. Auch diesmal wird der Italo-Weinskandal recht schnell aus den Medien verschwunden sein, ein paar ehrenwerte Geschäftsleute werden eingesperrt werden und gut ist – und die Geschäfte werden bald wieder normal weiterlaufen.
Ich Rindvieh habe meinen Gästen erst letzten Sonntag einen Chianti (Reserve 1997 – weiß gar nicht, wo ich den her gehabt habe – gekauft sicher nicht
) serviert. Der ist zwar nicht so besonders angekommen, andere Schäden sind bis jetzt aber nicht bekannt geworden. Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass wir nachher alles mit Zantho, Big John und Umathum neutralisiert haben…
Hier habe ich mich noch gewundert, dass es zwar einen “Krieg” gegen die Raucher gibt, aber keinen gegen Handytelefonierer, obwohl doch beide schädliche Emissionen freisetzen und beides zudem für Nichtraucher/Nichttelefonierer lästig sein kann. Das war vermutlich etwas vorschnell, denn jetzt dürfte auch bald das Telefonieren mit dem Handy geächtet werden.
Die ÖBB testet bereits seit dem Vormonat handyfreie Zonen in Zügen und nun wird auch in Linz ein Handyverbot in den Öffis überlegt. Wien sträubt sich noch (die Schlaumayer haben ja erst vor kurzem die U-Bahn handytauglich gemacht…
), wenn die Maschinerie der Verbotslobbyisten voll anläuft, werden sie dort sicher auch nachgeben (müssen). Und man muss kein Prophet sein, um vorauszusehen, dass bald ein Verbot des Handytelefonierens für den gesamten öffentlichen Raum gefordert werden wird…
Dass der Verbotsfetischismus, nachdem das Thema Rauchverbot doch schon etwas ausgelutscht ist und immer weniger hergibt (siehe zB Bayern und kürzlich erfolgte Entscheidungen der deutschen Höchstgerichte :) ), ein alternatives Betätigungsfeld bräuchte und der Übergang fließend sein würde, war mir schon klar. Die Handy-Telefonierer als Opfer hätte ich aber erst später angesiedelt – jedenfalls aber nach den Übergewichtigen.
Man kann natürlich verstehen, dass mache Verhaltensweisen von Menschen für andere, die eben genau diese nicht an den Tag legen, lästig sein können. Wo kommen wir aber hin, wenn wir alles, was andere in ihrer Befindlichkeit (aus welchen Gründen immer) stören könnte, per Gesetz verbieten?
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Rauchen verboten
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Telefonieren verboten
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Notebook benützen verboten
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Essen verboten – selbstverständlich nur kalorienreich und/oder bröselnd bzw schmatzend
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Atmen verboten
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Doch halt, letzteres ist ja erlaubt - derweil wenigstens noch…
PS: Einen ganz anderen Weg geht da die EU-Kommissarin für Telekommunikation, Viviane Reding. Sie setzt sich dafür ein, das Handy-Telefonieren endlich auch in Flugzeugen erlaubt wird – hallelujaaa!!!, sie hat die Zeichen der Zeit aber gründlich erkannt…
Pünktlich zum 50-Jahre-Jubiläum wird rund um das EU-Parlament ganz schön was ruchbar. Es geht wieder einmal um das liebe Geld – was sonst…
Abgeordnete eines Parlaments sind dazu da, Regeln für das reibungslose Zusammenleben zu schaffen. Da inkludiert ist natürlich auch die Verteilung der Güter, damit nicht einer den anderen über´s Ohr hauen kann. Genau deshalb sollten in einem Parlament nur redliche Abgeordnete sitzen, denn ansonsten würde das System ja ad absurdum geführt. Genau hier aber, scheint es sich im EU-Parlament gehörig zu spießen. Genau um diese Redlichkeit dreht es sich nun, denn es besteht der dringende Verdacht, dass bei gar nicht so wenigen Abgeordnetem statt Redlichkeit eher Raffgier vorherrschen würde. Unregelmäßigkeiten sollen die Sekretariatszulage (16.914.- € pro Monat und Abgeordneten zum Bezahlen von Mitarbeitern) betreffen und so manche Abgeordnete scheinen auch draufgekommen zu sein, dass man schön was einheimsen kann, wenn man sich nur oft genug besuchen lässt. Jüngst ist (von vielen nicht unerwartet) der Verdacht aufgetaucht, dass auch bei den Reisespesen geschummelt worden sein könnte.
Und was sagen die EU-Abgeordneten dazu? SPÖ-Delegationsleiterin Karin Scheele möchte keine “Pauschalverurteilungen“, für die ÖVP sieht Othmar Karas ein “Fehlverhalten einiger weniger Abgeordneter“, Johannes Voggenhuber von den Grünen ortet eine “erstaunliche kriminelle Energie” und Hans Peter Martin (fraktionslos) sowie Andreas Mölzer (FPÖ) sprechen von “Parteienfinanzierung“.
So gut wie die Politiker kann ich mich natürlich nicht ausdrücken und ich muss auch nichts umschreiben, beschönigen oder verstärken. Ich würde solche Vorgänge (so sie so stattgefunden haben) einfach als gewerbsmäßigen Betrug bezeichnen…
Nun habe ich aber auch schon gelesen, dass die Abrechnungsformalitäten für die Parlamentarier ja gar so kompliziert wären. Da könnte es natürlich auch lediglich zu Irrtümern gekommen sein und ein schuldhaftes Verhalten würde gar nicht vorliegen. Als EU-Bürger käme mir da aber erst recht das Grausen, wenn die Abgeordneten nicht einmal in der Lage wären, ihre eigenen Gelder ordnungsgemäß abzurechnen. Wie sollten unfähige, eitle Popanze über die Geschicke der ganzen Union Entscheidungen treffen können? Nein, nein – da sind mir halbwegs fähige Leute trotz Nehmerqualitäten noch bei weitem lieber…