Der tragische, auf der ganzen Welt einzigartige, Fall von Amstetten ist von der Bevölkerung (von den bedauernswerten Opfern gar nicht zu reden) noch lange nicht verdaut, aber unsere Führungselite hat schon Ideen, derartiges in Zukunft zu verhindern.
Die (sehr) wenigen wirklichen Experten können keine Antworten auf das Unbegreifliche liefern, unser Parteien aber scheinen die Weisheit mit dem Löffel gefressen zu haben. Sie wissen ganz genau, was zu tun ist. Die Strafen (diesmal für die Sexualtäter…) gehörten erhöht, die Tilgungsfristen abgeschaft und neue Ermittlungsmethoden eingeführt.
Von den Hardlinern der ÖVP, der FPÖ und dem BZÖ könnte man solche Forderungen ja noch erwarten. Scheinbar aber können SPÖ und Grüne auch nicht mehr widerstehen und steigen ebenfalls hinab in den Politboulevard. Für die SPÖ kann sich Justizministerin Berger höhere Strafen und längere Tilgungsfristen vorstellen und die Grünen fordern gar neue Ermittlungsmethoden (ohne natürlich diese näher zu definieren) in Vermisstenfällen. Letzteres ist überhaupt bemerkenswert, haben doch die Grünen ideologisch mit Ermittlungsmethoden eher nichts am Hut und bei Vermisstenfällen müsste wohl behördlicherseits energisch im Privatleben der betroffenen Familien geschnüffelt und datengesammelt werden.
Jedenfalls ist sich der politische Boulevard bezüglich einer härteren Gangart (wie gesagt, diesmal für Sexualstraftäter) ziemlich einig. Es scheint alles in Ordnung zu kommen, alles wird gut werden und…
Verdammt, jetzt taucht auch noch der Fall des Zwölfjährigen auf, der in Klagenfurt ein achtjähriges Mädchen in den Keller gelockt und sexuell missbraucht hat. Da scheint jetzt das Brainstorming der Parteien vollends für die Katz gewesen zu sein. Mit den geborenen Ideen könnte so ein Fall unter Kindern nämlich ganz sicher nicht verhindert werden (sowas können wohl nur die Briten). Andere Fälle wahrscheinlich auch nicht, aber was interessiert das den Boulevard schon, der lebt ja nur für den Augenblick.