Für den Gesetzesvorschlag von Justizministerin Berger bezüglich neuer Anzeigepflichten bei Kindesmissbrauch/-misshandlung sieht es momentan nicht sehr gut aus. Ob das gut oder schlecht ist, weiß ich nicht…
Ich bin mir nämlich auch nicht sicher. Einerseits scheint die Unversehrtheit von Kindern durch mimosenhafte, egoistische und überforderte Eltern, deren es immer mehr gibt, gefährdet, was eine Anzeigepflicht sicher rechtfertigen würde. Andererseits widerstreben mir als eher liberalen Geist aber gerade solche Systeme, weil sie zu Denunziantentum führen und wahrscheinlich auch bei nichtigen Anlässen (zB kleiner Kratzer bei einem Kind, wie er alltäglich vorkommen kann) Eltern zwangsläufig in Gefahr der Kriminalisierung bringen würden. Ich bin also ganz froh, dass ich da nicht entscheiden muss
Anders ist da die Ärztekammer. Die mischt sich ja gerne aus Geschäftsinteressen in die Politik ein. Die Kammer der Weißkittel ist wehement gegen eine Anzeigepflicht, weil diese die Eltern betroffener Kinder davon abhalten würde, im Fall des Falles ärztliche Behandlung in Anspruch zu nehmen. Ob da was dran ist, weiß ich nicht und die Ärztekammer wird es wohl auch nicht wissen…
Trotzdem kann der Präsident der Ärztekammer, Walter Dorner, gar nicht anders, als gegen eine Anzeigepflicht zu sein. Das ist eine reine Geschäftssache und hat mit ärztlicher Hilfeleistung für gequälte Kinder nicht das Geringste zu tun. Jeder Patient der nicht kommt, schmälert nämlich Umsatz und vor allem Gewinn. Und schließlich haben die Ärzte ja den numismatischen Eid geleistet…
Die große Anzahl an Stellungnahmen in der Begutachtung http://www.parlament.gv.at/PG/DE/XXIII/ME/ME_00193/pmh.shtml spricht für sich. Mit der Anzeigepflicht würde der bisher beschrittene Weg, der den Schutz des Opfers in den Vordergrund stellt, verlassen.
Hierbei geht es vor allem um Missbrauchsopfer. Aus den kriminologischen Untersuchungen weiß man, dass der Großteil dieser Verbrechen im Verwandten- und Bekanntenkreis geschehen. Der Druck auf das Opfer über eine Sache, die tabuisiert ist, zu sprechen, Hilfe aufzusuchen, ist also schon groß genug, ohne das Wissen, dass darauf zwangsläufig polizeiliche Ermittlungen folgen würden. Mit dieser Anzeigepflicht würde man die Arbeit von Opferschutzeinrichtungen extrem erschweren.
31. Jul. 2008 | #
Die Frage ist nur, ob der “bisher beschrittene Weg” der richtige ist. Der kann nämlich ganz leicht zwar Opfern ein “Ende mit Schrecken” ersparen, dafür aber “Schrecken ohne Ende” bescheren.
Wie gesagt, ich weiß es ebensowenig, wie es die Funktionäre der Ärztekammer wissen werden. Die haben aber den klaren Standpunkt nur, weil dieser auf dem Mammon gründet…
1. Aug. 2008 | #