Ein bemerkenswertes Interview hat die Kultur- und Sozialanthropologin Bettina Brixa dem Standard für die Interviewserie zum geheimnisvollen Büroalltag gegeben. Hier einige punktuelle Auszüge:
“Vor dem Aschenbecher sind alle gleich.”
“Das sind Klassiker der effizienten und hochmultiplikativen informellen Kommunikationskanäle.”
“In der Rauchpause wird eben mehr ausgetauscht als nur Zigaretten.”
“Brisant sind sicher die Rauchpausen während Meetings. Hier besteht potenziell immer die Möglichkeit, nachzuverhandeln, Tendenzen auszuloten und Allianzen zu schaffen beziehungsweise zu stärken.”
“Außerhalb der Rauchpause geltende formelle und informelle Hierarchien sind zwar nicht ausgeschaltet, treten aber in den Hintergrund, da vor dem Aschenbecher alle gleich sind.”
Soweit kann man als bekennender Raucher die Sache ja noch gelassen lächelnd zur Kenntnis nehmen. Leider wurde Frau Brixa auch gefragt, ob man als Nichtraucher etwas verpasse, wenn man sich nicht mit den Rauchern sozialisiere. Darauf sagte sie:
“Tendenziell besteht natürlich die Gefahr, nicht auf dem Laufenden zu sein. Nicht von ungefähr sieht man Nichtraucher gemeinsam mit Rauchern in der Kälte schlottern oder sich ins stickige Raucherzimmer drängen. …”
Oh verdammt, jetzt werden die missionierenden Verbotsfetischisten wieder zuschlagen und das Verbot der Rauchpausen diesmal wegen Informationsdiskriminierung (“dumm sterben lassen”, wie man so sagt
) verlangen – wegen angeblich unnütz verbrauchter Arbeitszeit haben sie das ja schon früher gefordert. Die Hardliner werden es wahrscheinlich “Mobbing” oder gar “Nötigung” nennen, wenn auch Nichtraucher in den kalten, schiachen Hof oder gar – der Himmel stehe uns bei – in ein lebensgefährliches Raucherkammerl gehen “müssen”…