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26. Aug. 2008

Die Freiheit des Menschen der offenen Gesellschaft, über Kleinigkeiten und tiefere Dinge seines Daseins frei entscheiden können soll, erschwert das Menschenleben, für ihn im Zusammenleben mit anderen wie auch für ihn alleine.

1. Zwei Menschen dieser offenen Gesellschaft lernen sich kennen und können von wenigen gemeinsamen Grundlagen ausgehen. Das heißt, sie müssen alles untereinander schwierig ausstreiten, was jeder, der eine gescheiterte Beziehung hinter sich hat, am eigenen Leibe aus leidvoller Erfahrung kennt. Die Zeit, neue Rollenbilder für das Zusammenleben von Mann und Frau auszuarbeiten, haben die allerwenigsten. Und können tun es noch weniger. Denn um ein Eherechtsgesetz zu schreiben, bedarf es heutzutage einiger Fachleute. Dass ein Mann und eine Frau, die sich mit 18 kennenlernen, dabei gleichzeitig auch die Rollen in ihrer Ehe und zwar für bis zu 50 Jahre und zwar gleichmäßig ohne Benachteiligung eines Teils festlegen können, ist undenkbar. Das beweist die hohe Scheidungsrate. Dauerhafte Beziehungen findet man dort, wo nach Rollenbildern gelebt wird. Die Wahrscheinlichkeit einer guten Gattenwahl steigt, wenn man in Reihen des eigenen Glaubensbekenntnisses (gemeint sind hier keine 98% Taufscheinchristen und schon gar keine Bekenntnislosen, sondern echt überzeugte Eiferer) sucht.
2. Aber auch der einzelne Mensch für sich gewinnt durch diese Freiheit nicht, jedenfalls in den meisten Fällen weniger, als er verliert. Denn während er in einer durchgeregelten “unliberalen” Umwelt darüber nachdenkt, wie er seine wenigen Entscheidungen unter den gegebenen Rahmenbedingungen am besten trifft, entscheidet er in der offenen Gesellschaft darüber, was er entscheidet, entscheidet über soviele Dinge, dass er den Überblick über sein Leben und die Trennung wichtiger von unwichtigen Entscheidungen verliert. Zu wirklich wesentlichen Entscheidungen dringt er dann gar nicht mehr vor.
Und wenn er entscheiden darf, heißt das nicht, dass er es auch kann. Ebendas weiß jemand, der überlegt hat, ein Haus zu bauen oder eines zu kaufen. Die Bauordnung ist heutzutage freier als früher. Erhöhter Entscheidungsraum ermöglicht mehr Fehlentscheidungen. War man beim Bauen des Hauses noch froh darüber, seinen eigenen Geschmack verwirklichen zu können, beweint man nun, das gebaute Haus nicht verkaufen zu können, weil die eigenen Bauvorlieben dem Käufer nicht gefallen.
Die Freiheit derjenigen, die frei entscheiden wollen, erzwingt ein Entscheidenmüssen auch derjenigen, die sich nach dem Schutz geregelter Umwelt sehnen. Denn: Ein gesellschaftliches rechtliches Wesen ist so ineinander abgestimmt, dass ein Öffnen einer Schraube das ganze Werk bewegt und leicht ins Ungleichgewicht bringt, oft auf Wegen, an die man nie gedacht hatte. Und ein Drehen auf einer Stelle erzwingt ein Drehen an einer anderen.

Liberal müsste denn übrigens bedeuten: “Raus aus der EU”. Denn wenn schon jemand über uns entscheidet, was ein Liberaler grundsätzlich nicht gut findet, denn er ist für Selbstbestimmung, dann soll dieser Entscheider so nah wie möglich bei mir selber sein und ich ihn so gut als möglich beeinflussen können.

Ein Liberalismus für eine breite Gesellschaft ist dem Grunde nach zur Gänze abzulehnen. Ein Liberalismus für einen gesellschaftlichen Adel (vermeide das Wort “Elite”!) wird zu befürworten sein. In einer Volksvertretung wie dem Nationalrat haben von Natur aus nur Breitenbewegungen eine Berechtigung. Die Freidenker gehören in eine Regierung. Jedenfalls aber gehören die Leute abgewählt, die gesellschaftliche Regelungen, warum zB in der Ehe eine gewisse Rollenverteilung herrscht, nicht erklären können.

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