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12. Sep. 2008

Folgende Anfrage habe ich für meinen Sprachverein an die Spitzenkandidaten der sich für den Nationalrat bewerbenden Parteien gestellt:

Sehr geehrter Spitzenkandidat!
Im deutschen Sprachraum gibt es mehrere Sprachvereine, die sich um den Erhalt und die Weiterentwicklung unserer Muttersprache kümmern. [...] Ich führe für meinen Sprachverein eine Umfrage durch, wie die österreichischen Parteien zur Frage des Erhalts und der Weiterentwicklung unserer Sprache stehen. Insbesondere erkundige ich mich auch danach, wie der Spitzenbewerber über die Auswirkungen der heutzutage immer zahlreicher in unsere Sprache einströmenden Fremdwörter (zB Anglizismen) denkt und es allgemein mit der Verständlichkeit seines eigenen sprachlichen Ausdrucks in Reden und bei seinen sonstigen politischen Tätigkeiten hält. Wie sieht der Spitzenkandidat die Sprachvereine selbst und deren Tätigkeit? Wie denkt er
insbesondere auch über eine Erlassung eines Sprachschutzgesetzes und die Einrichtung einer deutschen Sprachakademie in Wien, beide nach französischem Vorbild. Dazu ersuche ich Sie also höflich um Ihre Stellungnahme und verbleibe

Hochachtungsvoll
*** —– ***

12. Sep. 2008

Ein Hit in Vorwahlzeiten waren immer die Konfrontationen der Spitzenkandidaten. Diese hatten einen hohen Unterhaltungswert und auch die Informationen kamen nicht zu kurz (in der “Hitze des Gefechtes” wurde oft was preisgegeben, was man anderswo nicht so gesagt hätte). Leider ist das jetzt nicht mehr so…

Wenn ich an die Konfrontationen im laufenden Wahlkampf denke, fällt mir immer mehr auf, dass sich da eigentlich gar nichts mehr abspielt (sogar gestern bei Faymann gegen Haider war ich, trotz Angriffigkeit und Durcheinanderherumgestreite, nahe daran, einzuschlafen). An Information wird nur das, was eh schon auf den Wahlplakaten steht, gebetsmühlenartig runtergeratscht und der Unterhaltungswert geht gegen null, weil nur untergriffig aneinander vorbei und durcheinander geredet wird. Selbst die Taferl sind nicht mehr das, was sie einmal waren… ;)

Die Kandidaten werden anscheinend von Parteistrategen, Spindoktoren und Kommunikationsberatern derart gut gebrieft, dass sie die Diskussion wie Zombis führen. Die eigene “Message” muss an das Volk gebracht und eben dieses beim jeweiligen Gegner so gut wie möglich (Zwischenrufe, nicht ausreden lassen etc) verhindert werden. Was sind das für Politiker, die sich nicht einmal zutrauen, öffentlich mit dem politischen Gegner zu diskutieren? Was wird so ein Spitzenkandidat dann machen, wenn er als Regierungschef zB in Brüssel eine heikle Entscheidung für uns treffen muss? Werden dann etwa die Parteistrategen, Spindoktoren und Kommunikationsberater einfliegen müssen, um ein umfassendes Briefing abzuhalten? :)

 

PS: Mir können von nun an die Konfrontationen gestohlen bleiben, ich mache mir lieber meine eigenen Gedanken;)

11. Sep. 2008

Unsere deutschen Freunde machen scheinbar ernst in Sachen Ausweitung der Werbeverbote. Sabine Bätzing dürfte es geschaft haben, aus der Bundesregierung eine Vereinigung missionarischer (Zwangs)Gesundheitsapostel zu machen…

Die Würfel für das Werbeverbot auf Alkoholprodukte dürften (zunächst in Deutschland) gefallen sein. Im deutschen Gesundheitsministerium rechnet man mit einer breiten Mehrheit im Parlament und erachtet eine Diskussion über das Werbeverbot deshalb überhaupt nicht mehr notwendig. Wenn das so einfach geht, was kommt dann als nächstes? Werbeverbot für fett- und zuckerhaltige Lebensmittel? Pomes- und Burgerverbot? Werbeverbot für Spielkonsolen (Bewegungsmangel ist erwiesenermaßen ein ganz großer Krankmacher)?

Vielleicht sollte wirklich einmal jemand zu Protestmaßnahmen greifen. Etwa die Abgeordneten und Regierungsmitglieder offiziel vom Oktoberfest ausladen oder die genannten einfach nicht mehr in die Stadien lassen (viele Vereine profitieren sehr von der Alkhoholwerbung) oder ihnen gleich in allen Gourmettempeln Hausverbot (wegen Geschäftsschädigung) erteilen. Ich weiß schon, solche “Schikanen” würden wahrscheinlich rechtlich nicht halten. Lustig wäre es aber schon, wenn ein Minister sein Recht zum Besuch des Oktoberfestes einklagen und sich dann mit Gerichtsvollzieher und Polizei Zutritt verschaffen müsste… :)

10. Sep. 2008

Im Standard-Forum tobt permanent der Wortkrieg zwischen (extremen) Nichtrauchern und Gegnern eines allgemeinen Rauchverbotes in Lokalen. Hie und da lese ich da kurz rein – wirklich nur kurz, denn dort wird sehr viel geschrieben…

Manchmal lohnt es sich auch. Da schreibt etwa der User “Bittersweet Me“, ein Totalverbot fordernd, unter anderem (09.09.2008 14:24):

“… Die Politik in Österreich agiert diesbezüglich einfach nur DUMM! …”

Darauf antwortet “das kleine Zumpferl” (10.09.2008 10:35):   

Re:
Nicht bös sein,
aber das ist jetzt echt nix neues…
Wart ma mal wie die Wahl ausfällt, denn vorher wird sich keiner die Raucher zum Feind machen.
Bis dahin: Ruhig Blut!

Da wird das “das kleine Zumpferl” wohl recht haben. Mir sind die Antworten auf meine Raucherfragen auch teilweise merkwürdig handzahm vorgekommen – besonders bei der SPÖ und den Grünen. Wer also gegen ein totales Rauchverbot ist, muss das schon am Wahltag dokumentieren, denn nachher, wenn erstarkte Rauchhysteriker in ihren Bemühungen wie gewohnt (und gefürchtet ;) ) fortfahren, nutzt kein Lamentieren mehr. Ich habe das ja schon immer gewusst (deshalb habe ich meine Zusammenstellung ja gemacht ;) ), trotzdem freut mich der Hinweis aus der anderen Ecke… :)

9. Sep. 2008

Die eher als liberal bekannten Niederländer haben ja jetzt auch (aus welchen Gründen immer) ein Rauchverbot in allen Lokalen erlassen. Das führt aber zu komischen Sachen, die an die Bürger von Schilda erinnern…

Tabakrauch ist in Holland jetzt ausnahmslos in allen Lokalen verboten. Davon betroffen sind auch die so genannten Coffee-Shops, in denen legal die ansonsten illegale Droge Canabis geraucht werden darf. Pures Gras darf in den Coffee-Shops weiter geraucht werden, weil dabei ja kein Tabak im Joint ist. Werden aber ein paar Brösel Tabak zugemischt, dann ist es nicht zulässig, das Zeug im Lokal zu rauchen – man muss vor die Tür.

Es ist also jetzt in den Coffee-Shops von Holland so, dass der Genuss einer illegalen Substanz (Canabis) legal, der einer legalen Substanz (Tabak) aber illegal ist. Noch blöder wird´s wohl jetzt nimmer gehen… :)

9. Sep. 2008

Ob sich die SPÖ dessen bewusst war, als sie mit HC Strache die Mehrwertsteuersenkung ausverhandelte (vgl. orf.at)? Jahrelang wurde die FPÖ ausgegrenzt – an der Spitze oft die SPÖ. Nun stehen SPÖ und FPÖ gemeinsam gegen die restlichen Parteien. Wer es früher nicht wert war, dass man mit ihm redete, wird nun gehört und seine Vorschläge umgesetzt. Damit werden sämtliche Beteuerungen, dass über FP-Vorschläge nicht einmal geredet werden dürfe, entwertet, und das eigene Ansehen driftet näher zur Unglaubwürdigkeit – treffen wird es vor allem die ÖVP. Menschen werden sich nicht mehr scheuen, sich offen zur FP zu bekennen. Und auch in den Wahlzellen wird die Bekenntnisrate ansteigen. Die Grünen werden darob heulen und mit den Zähnen knirschen.

9. Sep. 2008

Man liest (Krone, Seite 2), Alt-VP-Obmann Wolfgang Schüssel tritt bei der Nationalratswahl nicht auf der Bundes- sondern nur auf der Bezirksliste Hietzings an.
Alter macht also weise. Und es obsiegt letztlich doch die Sehnsucht nach kleinen, geordneten Verhältnissen im überschaubaren örtlichen Rahmen über die unfassbare – und damit persönlich unbefriedigende – Weite einer Europapolitik, der er sich selbst, die Volkspartei und – leider – auch unser Land Österreich verschrieben hat und die – sei eine persönliche Wertung angebracht – er nicht vollständig überschaute. Denn sonst stünde er Entwicklungen, die von der EU auf Österreich ausgehen, viel kritischer gegenüber.
Warum werden Volksvertreter erst im Alter weise? Warum sehnen sie sich nicht schon zu Beginn ihrer Laufbahn nach geordneten, kleinen Machtverhältnissen? Schüssels Rückzug in den Bezirk gibt Hoffnung. Ein anderer würde einfach aufhören. Das Antreten auf der Bezirksliste ist nur die Vorstufe zum Rückzug in die Gemeindepolitik, welcher ihm von seinen Nachrufschreibern sehr hoch und als doch ehrlicher Einsatz für das österreichische Vaterland anzurechnen sein wird.

8. Sep. 2008

Das jüngste Gerücht ist wieder einmal da. Wen wunderts – Wahlkampf ist und da prodelt es eben in der Gerüchteküche. Nach der SPÖ ist jetzt das LIF an der Reihe. Nun hat es also auch eine von den Guten erwischt. Na ja, das Leben ist hart aber ungerecht… ;)

An und für sich ist die Sache ja gar nicht mehr so jung. Die in den Raum gestellten, extrem LIF-nahen Schmiergeldzahlungen nach Ungarn sollen schon vor Jahren stattgefunden haben und auch schon einmal thematisiert worden sein. Das dürfte aber damals weitgehend unbeachtet geblieben sein. Jetzt im Wahlkampf ist so etwas naturgemäß anders.

Der sich gerade noch über die Runden gerettet habende Aufdecker der Nation wetzt schon die Messer. Das ist aber auch verständlich, denn das LIF könnte den Grünen wertvolle Stimmen kosten. Böse Zungen behaupten gar, Peter Pilz wäre derjenige, der die Sache mit den Schmiergeldzahlungen des Baukonzerns über das LIF wieder angewärmt hätte. Weiters wird die Vermutung in den Raum gestellt, http://www.lif-transparent.org/ trüge die Handschrift des Meisters, weil nicht herauzubekommen sei, wer hinter der Site steht.

Letzeres kann natürlich sein, muss es aber nicht. Wer immer sich nämlich aufgerafft hat, der STRABAG derart ans Bein zu pinkeln, ist wahrscheinlich gut beraten, sich gut zu verstecken – oder sich sehr warm anzuziehen… :)

8. Sep. 2008

Es war von den Grünen wahrscheinlich nicht sehr schlau, für den Beobachter aber doch interessant. Beim Bundeskongress in Graz wurde die Bundeskandidatenliste für die bevorstehende Wahl erst jetzt fixiert.

Für manch ParteiprominentenIn war es schon im Vorfeld eng geworden, denn die aussichtsreichen Plätze waren weniger, als die Bewerber. Da wird´s dann immer eng. Blöd war für die hoffenden Kandidaten wahrscheinlich auch, dass man in einer Partei der Guten nicht so intrigieren darf, wie es gerade erforderlich wäre… :)

Für die Bundesgeschäftsführerin Michaela Sburny kommt jede Hilfe zu spät. Sie fliegt raus. Dumm gelaufen, denn sie ist noch zu jung für die Pension. Eine Periode hätte sie noch gebraucht, damit ihr Auskommen abgesichert gewesen wäre. So muss sie halt zum bösen Spiel gute Miene machen und in der Partei weiterwerkeln. So schlecht werden sie ja nicht zahlen… :)

Peter Pilz ist zwar älter, war aber, weil als Mann diskriminiert – Männer müssen ja 5 Jahre länger arbeiten, in der gleichen Situation wie Frau Sburny. Mit 54 fehlte ihm genau eine Legislaturperiode (+ ein paar Monate Auslaufüberbrückung), um in den “Strafraum” zu kommen. Er brauchte also das Mandat auch dringendst für eine großzügige Grundversorgung bis zum St.Nimmerleinstag (=Politikerpension). Blöd war nur, dass Karl Öllinger und Bruno Rossman ebenfalls auf den selben Platz scharf waren und sich alle der Abstimmung stellen mussten.

Der Altmeister war aber schlau genug, um zu erkennen, dass es für ihn um die Wurst ging. Er warf sich mit seinem ganzen Gewicht ins Geschehen und pokerte hoch. Alles oder nichts – entweder einen grünen Abgeordneten Peter Pilz oder die Grünen ganz ohne Peter Pilz. Es hat sich ausgezahlt, er hat gewonnen. Knapp zwar, aber der Sitz im Nationalrat ist gesichert und Öllinger sowie Rossmann müssen weiter zittern.

Ein genialer Schachzug, der aber so viel Risiko gar nicht in sich hatte. Die Grünen ohne Peter Pilz (egal wie man zu ihm steht) sind wirklich nur sehr schwer vorstellbar, da würde was fehlen. Dass die Delegierten auch so denken würden, hat der Meister wahrscheinlich vorausgesehen und damit seine Pension gesichert… ;)

8. Sep. 2008

“… und daher wollen wir auch die allgemeine Wehrpflicht abschaffen”, erklärt LIF-Sprecher David Loidolt wörtlich auf Heide Schmidts Webseite. Diese Gedankengänge verstehe einer!
Dieser Denkweise gemäß müsste auch aus der wenig angreifbaren Feststellung, dass der Europaverein (EU) falsch organisiert sei, die Notwendigkeit der Abschaffung der EU zu folgern sein. Oder?

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