Ein Mann, Familienerhalter und Firmeninhaber, ging regelmäßig ins Casino und gewann auch eine Zeit lang. Dann kam die Pechsträhne und er verlor und verlor. Schon am Rande des Ruins konnte er weder seine Familie ernähren, noch seine Firma fortführen. In höchster Not kam dann eine gute Fee zu ihm und sagte: “Habe keine Angst, spiel auf Kredit weiter. Ich bürge für die Verluste und sorge auch sowohl für deine Firma als auch für deine Familie. Der Mann freute sich und ging, ohne zu danken, schnell wieder ins Casino und wenn er nicht gestorben ist, spielt er noch immer…
Ich weiß, eine blöde Geschichte (wurde ja auch eben erst von mir selber erfunden
) – völlig irrational, so etwas kann es nicht einmal im Märchen geben. Ich habe das auch immer geglaubt, nach dem 100-Milliarden-Bankenrettungspaket (100.000.000.000.- € = 1.376.000.000.000.- Schilling) unserer Regierung bin ich mir nicht mehr so sicher.
Unser Kanzler sprach von einem “nationalen Kraftakt” (Anm.: allerdings ohne “Kraft“, denn Geld ist ja keines da, wie der gelernte Österreicher weiß…) und der Vizekanzler und Finanzminster von “kein Rettungsplan“. Wofür man für keinen “Rettungsplan” einen “nationalen Kraftakt” benötigt, haben die Herren geflissentlich nicht erklärt…
Komisch mutet auch an, dass sich der Staat für den großen Einsatz auch eine Eigentümerrolle nur “falls nötig” vorbehält. Na toll, “falls nötig” heißt dann ja wohl “nie”. 15 Milliarden der Rettungssumme werden für Kapitalspritzen bereit gestellt. Mit dem Geld könnte man laut Wirtschaftsblatt Raiffeisen International dreimal und die Erste Group Bank zweimal kaufen. Insgesamt haftet künftig jeder Österreicher mit 12.500.- Euronen und da ist “falls nötig” entschieden zu wenig. Warum kauft man die maroden Banken nicht gleich auf? Das ÖIAG Gesetz kann man ja ändern (wie schnell man Gesetze machen kann, haben wir ja am 24.09.2008 gesehen) und ein Kauf würde bestimmt billiger kommen, als endlos die Verluste der Zockerei abzudecken…
An der Börse ist der “nationale Kraftakt“, der “kein Rettungsplan” ist, aber scheinbar ein voller Erfolg. Eine solche Steigerung wie heute hat der ATX (+12,8 %) noch nie erlebt. No, na – selbstverständlich ist da im Casino sofort was los, denn das frische Geld muss ja ausgespielt werden. Sogar im fernen Amerika, wo vorher die 700 Milliarden Dollar gar nichts gebracht hatten, hat das Spiel um die frischen Euros sofort begonnen (DowJones auch historisch im Plus). Aber sind wir jetzt nicht doch wieder bei obigem Märchen, das es gar nicht gibt?
PS: Mit Fortdauer der Krise und deren “Bewältigung” verstehe ich immer weniger, warum man Helmut Elsner eingesperrt hat. Er hat ja auch nur eine Bank verspielt…
nix Feh, Fee schreibt man das
14. Okt. 2008 | #
Uuuups, da war ich wohl zu sehr auf die Taschentücher fixiert. Danke für den Hinweis.
PS: Ich muss mich wohl etwas zusammenreissen, sonst werde ich womöglich noch ausgebürgert…
14. Okt. 2008 | #
[...] kritikus.at Kritik zum Schmunzeln – nicht objektiv, dafür aber höchst subjektiv … « Casino Royal [...]
14. Okt. 2008 | #
[...] Das Papier, auf dem der “nationale Kraftak“, der “kein Rettungsplan“ ist, zur Bewältigung der Wirtschaftskrise geschrieben wurde, ist noch nicht trocken, da kracht auch schon die erste unserer Banken, die ja gar nicht gefährdet sind… [...]
18. Okt. 2008 | #
[...] Und dann – Supergau! Eigentlich noch denkunmöglicher, die AUA will offenbar gar niemand haben. Was? – Da bietet man aufopferungsvoll den fliegenden Stolz der Nation an und diese undankbaren Gfrasta wollen nicht? Es wird halt wieder Vater Staat einspringen müssen und Werner Faymann hat sich schon dazu geäußert: “Dann kostet es viel Geld.” Na toll, aber nach den hundert Milliarden kommt es auf ein paar hundert Millionen auch nicht mehr an. “Wenn die Kuh hin ist, kann das Kalb auch hin sein” – wie der Landwirt dazu sagen würde. [...]
22. Okt. 2008 | #
[...] Die ERSTE ist wirklich die erste Bank, welche die Staatshilfe in Anspruch nimmt. Man kann getrost annehmen, dass andere Banken dem Beispiel folgen werden. [...]
30. Okt. 2008 | #
[...] Ist schon klar, gegen die Summen, die als neues Spielgeld in das globale Casino gepumpt werden, sind die 167 Milliarden ein Lercherlschas. Dass das Geld aber mit wenig Wirkung verpuffen würde, sollte den EU-Schlaumaiern schon klar sein. Nur zu oft reissen sich Schurkenregierungen EU-Gelder unter die korrupten Fingernägel und es soll auch schon vorgekommen sein, dass sie in Waffenkäufe gesteckt werden. Und dass ausgerechnet China als Empfängerland genannt wird, ist wohl der Gipfel der Naivität. Wird doch dieses Land in Bälde der größte Konkurrent der EU (Wirtschaft, Energie etc) sein und die Chinesen sind wohl nicht gerade dafür bekannt, dass sie sich von irgendjemand dreinreden zu lassen (egal, wie viel Geld man ihnen dafür vorher gegeben hat… [...]
23. Jan. 2009 | #
[...] Für mich ist das aber nichts Neues, mir war schon immer klar, dass man auf alles mögliche süchtig werden kann. Das beginnt bei lieben Gewohnheiten (zB frühes/spätes Aufstehen oder Schlafengehen, Nägelbeissen, Arbeit etc), geht über Sport/Spiel (zB Laufen, Konsolen- oder Automatenspiel, Casino etc) bis zu Nahrungs- (zB Schweinsbraten, Süßigkeiten etc), Genuss- (Tabak, Alkohol, Kaffee etc) und den klassischen Suchtmitteln (Cannabis, Kokain, Heroin und neuerdings auch Spice). Wir sind halt so gestrickt, dass wir immer das haben wollen, was uns schon einmal zugesagt hat und davon natürlich auch immer mehr. [...]
26. Jan. 2009 | #
[...] Aha, eine “andere Wirtschaftsordnung” und “Kontrolle” sowie “Solidarität” müssen also her. Aber wo bleiben die Taten? Etwa im Bankenpaket, wo die Banken gedrängt werden, doppelt soviel, wie sie vom Staat erhalten, als neue Kredite auszugeben? Das schaut ja fast so aus, als ob man die geplatzte virtuelle Blase so schnell als möglich wieder (und wieder virtuell) aufgefüllen will. Das fromme Spiel beginnt also gerade von Neuem… [...]
31. Jan. 2009 | #
[...] es scheinbar niemand gelten lässt, dass die Regierung massiv dazu gedrängt wurde, die Banken mit Staatsgeld zu subventionieren. Die EU und der Halbgott waren da ja ganz vorne, als es darum [...]
10. Jul. 2009 | #