Das Papier, auf dem der “nationale Kraftakt“, der “kein Rettungsplan“ ist, zur Bewältigung der Wirtschaftskrise geschrieben wurde, ist noch nicht trocken, da kracht auch schon die erste unserer Banken, die ja gar nicht gefährdet sind…
Die Constantia Privatbank hat das Zeitliche gesegnet, man lässt sie aber nicht in den Konkurs gehen, sondern mehrere andere Banken (auch die Nationalbank) schießen Geld zu (kaufen sie) und der Staat übernimmt eine Haftung von 400.000.000.- Euro. Wenn man darüber nachdenkt, was die Constantia Privatbank für eine Bank ist, dann könnten einem auch Motive für den “nationale Kraftakt“, der “kein Rettungsplan“ ist, dämmern. Die Constantia ist die Bank für Superreiche in Österreich. Sie hat Spareinlagen von ca 10.000.000.000.- € und verwaltet ca 1/3 aller Privatstiftungen, die es in Österreich gibt. Ein Konto bekommt man bei dieser Bank nur, wenn man zunächst einmal mindestens 500.000.- € einlegt. Es dürfte also eher nicht die Bank von Herrn und Frau Durchschnittsösterreicher sein…
Dass gerade diese Bank als erste die Bundeshaftung in Anspruch nimmt, ist bezeichnend. Für mich als ländlicher Dummschädel schaut das jetzt so aus, als ob der “nationale Kraftakt“, der “kein Rettungsplan“ ist, hauptsächlich dazu dient, die Schäfchen einer Elite auf Kosten der Allgemeinheit ins Trockene zu bringen. Ganz gut dazu passt da auch die plötzliche Einigkeit von SPÖ und ÖVP nach den vorherigen, tiefen Zerwürfnissen. Bei der Präsentation des Krisenplanes nach dem Ministerrat haben sich Gusenbauer und Molterer ja beinahe umarmt und kurz hatte ich sogar Angst, sie würden zu schmusen beginnen…
PS: Vielleicht sollte ich dazu sagen, dass ich nicht generell gegen eine Sicherung von Spareinlagen bin. Es geht mir nur gegen den Strich, dass ausgerechnet sehr große Vermögen (die ja zum größten Teil erst an der Börse so groß geworden sind – dh vom jetzt crashenden System immens profitiert haben) von der Allgemeinheit gerettet werden, während der Hackler, dem ein sich Vermögensberater nennender Keiler für sein jahrzehntelang Erspartes Lehman-Papiere angedreht hat, durch die Finger schauen kann…
[...] Weitere Meinungen zur Rettung der Nobelbank Crash Bank I. – Kritikus Constantia Bank als Kriminallfall? – finanz-journal.at Finanzmarktkrise trifft Österreich Constantia Privatbank wird von 5 Banken aufgefangen [...]
18. Okt. 2008 | #
[...] Wie auch immer, er soll machen was er will, der Vladimir Spidla. Wenn er´s durchzieht, wird er sicher eine Zeit lang Schlagzeilen haben. Traurig ist nur, dass solche Leute letztendlich die EU-Gegner stärken, weil diesen angesichts der lobbyismusgetriebnen Verbots- und Reglementierungswut die Leute scharenweise zulaufen. Ach ja, Island ist vollkommen pleite, in der EU crasht eine Bank nach der anderen (die Billionen-Rettungspakete dürften nicht reichen), bei uns ist die Constantia schon hin, die Kommunalkredit gibt auch gerade den Löffel ab und Swarovski schmeist schon mal 840 Mitarbeiter raus. Nur gut, dass wir in der EU-Verwaltung so rührige Leute wie den Spidla haben, die kapieren, was wirklich wichtig ist… [...]
26. Okt. 2008 | #