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20. Okt. 2008

Island hat sich bislang geweigert, ein EU-Beitritts-Ansuchen zu stellen. Der Grund wird wohl gewesen sein, dass es der Bevölkerung auch so wohl erging, sie einem EU-Beitritt kritisch gegenüber stand und deshalb eine Volksabstimmung sowieso chancenlos gewesen wäre. Das könnte sich jetzt ändern…

EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn hatte die glorreiche Idee, den Isländern einen raschen EU-Beitritt in Aussicht zu stellen. Wenn sie jetzt schnell den Kandidatenstatus beantragen würden, könnte Island noch vor Kroatien in die Union aufgenommen werden. Der Vorstoß wurde in Island, auch von den hartnäckigsten Gegnern eines EU-Beitrittes, äußerst wohlwollend aufgenommen (welch wundersame Wendung).

Ja, tickt der Kerl eigentlich noch richtig. Island ist vollkommen pleite! Die EU hat weiß Gott andere Sorgen, als für Island die heißen Kartoffeln aus dem Feuer zu holen. In dem kleinen Land hat man die Bankenzockerei weltweit bis zum Exzess betrieben und ganz Europa mit miesen Bankpapieren bereichert (“Island” darf man in Bankenkreisen dzt gar nicht erwähnen, will man nicht für Serienherzinfarkte verantwortlich sein ;) ). Und jetzt, weil der Hut so gewaltig brennt, will die EU Island die Mitgliedschaft mit Gewalt in den Allerwertesten schieben? Für das eigene Bankendesaster zahlen/haften wir anscheinend noch nicht genug, da müssen wir ja auch noch Pleite-Wikinger mit ihren monströsen Zocker-Banken aus den Geysiren ziehen. Na, wir habens ja…

Aber vielleicht sehe ich die Sache ganz falsch. Vielleicht braucht die werte EU-Kommission nur ein (ungewohntes) Erfolgserlebnis in Form einer positiven Volksabstimmung. In den Mitgliedsländern scheint man sowas ja nicht mehr für möglich zu halten, denn die EU scheut Volksabstimmungen wie der Teufel das Weihwasser. Mit einem isländischen “ja” (und sei es noch so teuer) wäre man wieder im Geschäft – scheint der olle Olli zu meinen. Na, wenn er sich da nur nicht täuscht… :)

 

PS: Dass sich Kroatien alleine schon durch den Vorstoß mächtig verarscht vorkommen muss, scheint Kommissar Rehn nicht groß zu stören. Aber was sind denn auch schon einfache Kroaten, die sich jahrelang auf den EU-Beitritt vorbereitet haben, gegen die isländischen Pleitiers…

1 Kommentar »

  1. kritikus.at » Blog Archiv » Verselbstständigt schreibt:

    [...] Wie auch immer, er soll machen was er will, der Vladimir Spidla. Wenn er´s durchzieht, wird er sicher eine Zeit lang Schlagzeilen haben. Traurig ist nur, dass solche Leute letztendlich die EU-Gegner stärken, weil diesen angesichts der lobbyismusgetriebnen Verbots- und Reglementierungswut die Leute scharenweise zulaufen. Ach ja, Island ist vollkommen pleite, in der EU crasht eine Bank nach der anderen (die Billionen-Rettungspakete dürften nicht reichen), bei uns ist die Constantia schon hin, die Kommunalkredit gibt auch gerade den Löffel ab und Swarovski schmeist schon mal 840 Mitarbeiter raus. Nur gut, dass wir in der EU-Verwaltung so rührige Leute wie den Spidla haben, die kapieren, was wirklich wichtig ist… [...]

    26. Okt. 2008 | #

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