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25. Okt. 2008

lautet der Titel einer Podiumsdiskussion, die Transparency International kürzlich veranstaltete. Es ist der neueste Coup der lobbyismuszerfressenen EU, den Pharmakonzernen lukrativere Geschäfte zuzuschanzen, welcher der Anti-Korruptions Organisation sauer aufstößt. Und das mit gutem Grund…

Derweil ist es im gesamten EU-Raum der Pharmawirtschaft verboten, rezeptpflichtige Medikamente zu bewerben. Es soll so sichergestellt werden, dass die Auswahl von Medikamenten für eine Therapie auf rein sachlichen Kriterien erfolgt. Das ist gut so, wenngleich es auch jetzt schon mit Werbung und Sponsoring an die Ärzte unterlaufen wird. Laut Kurier will nun aber die EU unter dem Vorwand, Informationen direkt von der Pharmawirtschaft an die Konsumenten (das sind in dem Fall die Kranken und jene, denen man eingeredet hat, krank zu sein ;) ) zu ermöglichen, Werbung für eben diese Medikamente erlauben.

Jan Oliver Huber, Generalsekretär des Verbandes der Pharmaindustrie (Pharmig) sieht die Sache naturgemäß anders als TI wenn er meint: “In unserem Verhaltenskodex ist die Trennung von Werbung und Information klar geregelt“. Na, aber sicher doch – einen selbsterstellten Verhaltenskodex hat ja die Mafia auch und auch der wird jede Menge “Vertrauen” entgegen gebracht… :)

Es gibt aber noch andere, denen die Methoden zur Markschaffung und -bearbeitung der Pharmakonzerne nicht behagen (Auszüge aus dem Kurier-Artikel):

“Die Information von Patienten darf nicht der Industrie überlassen werden, weil ihre Aufgabe ist es, ihren Umsatz zu steigern”, betonte dabei Bärbel Klepp vom Verein für Konsumenteninformation. Zu ihrer “Markterweiterung” wende sie bereits jetzt problematische Methoden an. Etwa die Instrumentalisierung von Selbsthilfegruppen über finanzielle Zuwendungen.

Ein Negativbeispiel ist für Sylvia Groth vom Grazer Frauengesundheitszentrum die Kampagne für den HPV-Impfstoff gegen Gebärmutterhalskrebs: Bereits 2005, noch vor Einführung des Produkts, habe man gezielt die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf diese Krankheit gelenkt. “Dabei wurden enorme Ängste geschürt.” Später wurde dann unter Einbeziehung Prominenter Stimmung für den Impfung gemacht. “Die Frage, ob sie überhaupt etwas bringt, trat dabei völlig in den Hintergrund. Es ging nur mehr darum, wer sie bezahlt. Dabei sind viele Studiendaten über den Impfstoff noch gar nicht veröffentlicht.”

Meine Rede! So macht man die besten Geschäfte. Zuerst durch “Information” einen Bedarf schaffen und rein zufällig dann auch gleich die teuren Produkte zur Hand haben. Dass das oft den Konsumenten mehr schadet, als hilft, ist da weniger von Belang – man kann sich ja nicht um alles kümmern. Genauso wurde der Markt für die Nikotin-Entwöhnungs-Mittel aufbereitet (Pfizer und GlaxoSmithKline sind ja bekanntlich seit je her die Hauptfinanziers der religiösen Anti-Rauch-Liga ;) ) und genauso wird es bei den Medikamenten gegen Fettleibigkeit, Alkoholentwöhnungsmitteln etc geschehen. Die von Lobbyisten unterwanderte EU wird die Werbung für rezeptpflichtige Medikamente so sicher erlauben, wie der Papst katholisch ist. Selbst wenn sich die Kritiker alle zusammen auf den Kopf stellen und mit den Füßen wacheln wird das nichts helfen… :)

3 Kommentare »

  1. kritikus.at » Blog Archiv » Das Kartell schreibt:

    [...] Dass an unerwünschten Arzneimittelwirkungen eine Menge Leute sterben war ja ebenso kein Geheimnis wie die Tatsache, dass im Namen der Gesundheit monströse Geschäfte auf Kosten eben dieser gemacht werden – das blieb nur weitgehend unbeachtet. Nun dürfte sich der ORF darum kümmern und es scheint noch schlimmer zu sein, als ich gedacht habe. [...]

    4. Nov. 2008 | #

  2. kritikus.at » Blog Archiv » Ärzte Lügen nicht… schreibt:

    [...] Ich habe es schon immer vermutet, dass ein Kartell aus Pharmakonzernen, Verbänden (wie zB WHO und Ärztekammer) und (prominenten) Ärzten krumme Geschäfte auf Kosten der Gesundheit macht. Nun hat Hans Weiss ein Buch darüber veröffentlicht und meine schlimmsten Befürchtungen werden anscheinend noch bei weitem übertroffen… [...]

    17. Nov. 2008 | #

  3. kritikus.at » Blog Archiv » Geständnis schreibt:

    [...] Leider ist nicht alles so, wie es scheint bzw scheinen soll. Bei den Pharmakonzernen handelt es sich nämlich um beinharte Geschäftsleute, die gewiss niemanden etwas schenken – so groß kann die Not gar nicht sein. Es kommt mir fast so vor, als ob sich da die Pharmisti einen Gut-Mantel umhängen wollten, um von den Kalamitäten, die sich derzeit vemehrt breitmachen und sogar schon die EU angesteckt haben dürften, abzulenken. Und die 180 Mille scheinen zwar viel, sind aber im Vergleich zu dem, was uns die Herrschaften schon abgezockt haben, Peanuts. Hoffentlich ist unser neuer Minister nicht so blöd und geht denen auf den Leim. Sonst ist er nämlich schneller als Lobbyist eingespannt, als ein Ferkel mit den Augen zwinkern kann… [...]

    7. Dez. 2008 | #

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