13. Okt. 2008
Ein Mann, Familienerhalter und Firmeninhaber, ging regelmäßig ins Casino und gewann auch eine Zeit lang. Dann kam die Pechsträhne und er verlor und verlor. Schon am Rande des Ruins konnte er weder seine Familie ernähren, noch seine Firma fortführen. In höchster Not kam dann eine gute Fee zu ihm und sagte: “Habe keine Angst, spiel auf Kredit weiter. Ich bürge für die Verluste und sorge auch sowohl für deine Firma als auch für deine Familie. Der Mann freute sich und ging, ohne zu danken, schnell wieder ins Casino und wenn er nicht gestorben ist, spielt er noch immer…
Ich weiß, eine blöde Geschichte (wurde ja auch eben erst von mir selber erfunden
) – völlig irrational, so etwas kann es nicht einmal im Märchen geben. Ich habe das auch immer geglaubt, nach dem 100-Milliarden-Bankenrettungspaket (100.000.000.000.- € = 1.376.000.000.000.- Schilling) unserer Regierung bin ich mir nicht mehr so sicher.
Unser Kanzler sprach von einem “nationalen Kraftakt” (Anm.: allerdings ohne “Kraft“, denn Geld ist ja keines da, wie der gelernte Österreicher weiß…) und der Vizekanzler und Finanzminster von “kein Rettungsplan“. Wofür man für keinen “Rettungsplan” einen “nationalen Kraftakt” benötigt, haben die Herren geflissentlich nicht erklärt…
Komisch mutet auch an, dass sich der Staat für den großen Einsatz auch eine Eigentümerrolle nur “falls nötig” vorbehält. Na toll, “falls nötig” heißt dann ja wohl “nie”. 15 Milliarden der Rettungssumme werden für Kapitalspritzen bereit gestellt. Mit dem Geld könnte man laut Wirtschaftsblatt Raiffeisen International dreimal und die Erste Group Bank zweimal kaufen. Insgesamt haftet künftig jeder Österreicher mit 12.500.- Euronen und da ist “falls nötig” entschieden zu wenig. Warum kauft man die maroden Banken nicht gleich auf? Das ÖIAG Gesetz kann man ja ändern (wie schnell man Gesetze machen kann, haben wir ja am 24.09.2008 gesehen) und ein Kauf würde bestimmt billiger kommen, als endlos die Verluste der Zockerei abzudecken…
An der Börse ist der “nationale Kraftakt“, der “kein Rettungsplan” ist, aber scheinbar ein voller Erfolg. Eine solche Steigerung wie heute hat der ATX (+12,8 %) noch nie erlebt. No, na – selbstverständlich ist da im Casino sofort was los, denn das frische Geld muss ja ausgespielt werden. Sogar im fernen Amerika, wo vorher die 700 Milliarden Dollar gar nichts gebracht hatten, hat das Spiel um die frischen Euros sofort begonnen (DowJones auch historisch im Plus). Aber sind wir jetzt nicht doch wieder bei obigem Märchen, das es gar nicht gibt?
PS: Mit Fortdauer der Krise und deren “Bewältigung” verstehe ich immer weniger, warum man Helmut Elsner eingesperrt hat. Er hat ja auch nur eine Bank verspielt…