PISA, PIRLS und TIMSS, das sind die Worte, von denen einige Versteher und Weltverbesserer leben. Auch werden diese standardisierten Tests gerne verwendet, um das gegenwärtige Schulsystem einer Ideologie zu opfern…
Mit PISA hat der Schulstudienhype begonnen, dann folgte PIRLS und nun ist TIMSS dran gewesen. Als erster Versteher und Besserwisser hat sich der PISA-Haider hervorgetan und wollte durch Schlechtreden von Schulen und Lehrern (natürlich hat er das pc im Umweg über das Schulsystem getan) unbedingt Minister werden. Er ist mit seinem Vorhaben – Ministerwerdung - gescheitert, und das ist gut so…
Dann kam PIRLS und zuletzt TIMSS. Wie von den Verstehern, Besserwissern und Karrieristen geplant, haben die Ösi-Schüler nicht gut abgeschnitten. Manche werden sich fragen, wie man sowas planen könne. Das ist ganz einfach. Man braucht zB nur die eigenen Schüler völlig unvorbereitet in den Test schicken, dh ihnen derartige Testbögen erst beim tatsächlichen Test in die Hand drücken. Ich weiß schon, für einen richtigen Vergleich gehört das so. Nur, wieviele Länder werden das wirklich so gemacht haben? Wie viele Länder werden wohl schon eine Zeit lang vorher ihre Schüler mit gleichartigen Testbögen unterrichtet haben?
Nun, da unsere Schüler ja sooo schlecht sind, trat der Lehrer-Schul-und-Schüler-Ober-Versteher Andreas Salcher auf den Plan. Er weiß natürlich ganz genau, woran es liegt (zumindest hat er gleich ein Buch herausgebracht, dass – wie man hört – sich recht gut verkaufen soll). Kürzlich hat der Gute Mann im ORF (ich glaube, es war in “Konkret”) seine Thesen zum Besten gegeben. Zusammengefasst kann man sagen: Die Lehrer sind an allem Schuld. Man stelle sich vor, manche würden sogar im Unterricht laut werden (was aber im Vergleich zu früher eigentlich eine erhebliche Verbesserung ist - uns haben sie damals zusätzlich gleich noch links und rechts eine reingehauen
). Aber nicht alle seien unfähig und ungeeignet, nur 5 Prozent sollen es sein.
Frei nach Salcher gehörten diese aber aus den Schulen entfernt. Aufgrund von berechtigten(?) Beschwerden von Schülern und Eltern sollte es ein faires, kurzes Verfahren geben, welches nicht von Arbeitsgerichten abgewickelt werden solle (das gehe zu langsam). Was er unter “fairen, kurzen Verfahren” unter Ausschluss von Gerichten versteht, hat er trotz Nachfrage im Interview diskret unerwähnt gelassen. Mit solchen unbedeutenden Kleinigkeiten können sich selbsternannte Weltverbesserer, auch wenn es um Existenzen von Menschen geht, ja nicht auch noch herumschlagen…
Nun ist es doch wohl so, dass es Lehrer auch so schon nicht leicht haben. Sie sind in Zeiten, wo sich jeder für alles als Experte wähnt, zunehmend verunsichert und ungerechten Anfeindungen von Schülern und ehrgeizigen Eltern nahezu ungeschützt ausgeliefert (ohne Beamtendienstrecht könnte jeder Lehrer jederzeit mit einer kleinen Verschwörung problemlos aus dem Beruf gekickt werden). Viele sind jetzt schon so verunsichert, dass sie im Falle des Falles lieber leichtere Schularbeiten oder Tests vorgeben, als einen Krieg mit rabiaen Schülern/Eltern zu riskieren. Und da kommt nun der Salcher mit seiner Feme-Gerichts-Idee daher. Sollte das tatsächlich aufgegriffen werden, würde wohl ein noch größerer Teil der Lehrer verunsichert werden. Zweifellos würden sie dann, um Anfeindungen (die dann ja existenzbedrohend wären) zu vermeiden, noch leichtere Arbeiten geben. Wunderheiler Salcher wäre dann natürlich zufrieden, denn der Notenschnitt würde sich verbessern und durchfallen würde wohl auch niemand mehr. Dass die Schüler die Schule dann ganz sicher nicht gescheiter verlassen würden, sieht ein Blinder mit dem Krückstock, ein Schulexperte aber scheinbar nicht…
Die Volkschüler haben gar nicht schlecht abgeschnitten. Sie liegen einfach im extrem breiten Mittelfeld. Kein Grund für Aufregung und Geschrei.
Vielleicht sollte man die Eltern dezent darauf hinweisen, dass der schulische Erfolg der Kinder nicht unwesentlich von den Genen abhängt, die sie von ihnen vererbt bekommen haben.
Gestern war so ein Beitrag im ORF über Dyskalkulie. Ein Mädchen wurde gezeigt, das keine einstelligen Zahlen auf Anhieb addieren konnte, sondern immer abzählen musste.
Der Grundtenor des Beitrags war, dass die angeblich schlecht geschulten Volkschullehrerinnen schuld wären und dass man jedes Kind mit dieser Rechenschwäche auf normale Leistungsniveau bringen können, wenn nur richtig unterrichtet würde.
Keine Andeutung darauf, dass das angeboren sein könnte und dass man sich vielleicht damit abfinden muss, dass manche Menschen einfach nicht gut rechnen können.
Es ist für mich ein Wunder, dass es überhaupt noch Menschen gibt, die den verachteten Lehrerberuf überhaupt noch einschlagen. Ich würde den Fernseher entsorgen und die Zeitung abstellen, wenn ich Lehrer wäre.
16. Dez. 2008 | #