In der hiesigen Politik weiß man manchmal nicht, wie man gewisse Dinge einordnen soll. “Vorwärts Kameraden, wir müssen zurück!” oder “Wasser predigen und Wein saufen” oder “populistische Bauernfängerei” oder…
Unser Vizekanzler und Finanzminister redet ja gelegentlich oft gerne sehr viel und sagt sehr wenig. Hin und wieder kommt es auch vor, dass er sich dabei vergaloppiert – man denke nur an so manche Äußerung von ihm als CO2-Minister. Der Überschlag, den er jetzt in Sachen Lehrerkrise macht, toppt aber das noch alles und ist jedenfalls eine Erwähnung wert.
So wurde Vizekanzler Pröll in seiner Eigenschaft als Finanzminister heute im Ö1-Mittagsjournal auch zum Streit der Lehrerschaft mit ihrer Ministerin befragt. Natürlich sagte er – wie könnte es ein Finanzminister, der sein Budget zusammenhalten will, anders tun – es werde keine zusätzliches Geld für das Unterrichtsministerium geben, die Unterrichtsministerin müsse halt mit der Lehrergewerkschaft verhandeln und blabla blabla blabla. Soweit wäre ja noch alles nachvollziehbar, auch dass er die Ministerin Schmied, die zwar der selben Regierung, aber einer anderen Partei angehört, im Regen stehen lässt. Die hatte sich ja durch eigene Rechenfehler und viel Naivität dorthin führen lassen.
Welcher Teufel Vizekanzler Pröll aber geritten und ihn zur Äußerung, dass auch Lehrer ihren Beitrag zur Krise leisten müssten, verleitet hat, würde ich gerne wissen. Warum gerade Lehrer einen Beitrag zur Bewältigung der Krise leisten sollen und alle anderen nicht, möge der gute Mann bitte schön erklären. Oder gibt es sonst irgendeine Berufsgruppe, die zur Krisenbewältigung bei gleichem Lohn um 10 Prozent mehr arbeitet oder eine 10 Prozentige Gehaltskürzung hinnimmt. Ich kenne derweil noch keine. Aber vielleicht möchte ja die politische Kaste mit gutem Beispiel vorangehen. Die Unterrichtsministerin wollte das ja nicht – obwohl, Spielraum wäre da jedenfalls genug.
Die größte Lachnummer dürfte aber der Kompromiss sein, den der Vizekanzler bei der Gelegenheit angeregt hat. Die Verhandlungspartner (Lehrer und Ministerin – eigentlich sollte man ja eher Verhandlungsgegner sagen
) – sollten jeder für sich etwas nachgeben und so eine Einigung erzielen. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Die Ministerin kann nicht zahlen und steht mit dem Rücken zur Wand (von Pröll bekommt sie ja nichts). Sie wird wohl nicht nachgeben können. Wie sollte denn dann aber der Kompromiss aussehen? Etwa, dass die Lehrer nur um 5 Prozent mehr arbeiten müssen und dafür um 5 Prozent den Lohn gekürzt bekommen? Toller Kompromiss, und so ausgewogen. Für wie blöd hält der Mann unsere Lehrer eigentlich?
Mir kommt es fast so vor, als ob jene Regierungskritiker, die dauernd von einer SPÖVP sprechen, doch recht hätten. Vor lauter Schmusekurs wird populistisch eine einzige Berufsgruppe herausgepickt und geopfert, um die Neidgenossenschaft gnädig zu stimmen…
Nun es ist seit einiger Zeit Mode geworden, mit erstaunlichen Methoden vom eigenen “Ich” abzulenken. Ob ein Krisenbeitrag durch 2-stündige Mehrarbeit von Lehrern sinnvoll ist, möge dahingestellt bleiben, wenn man im gleichen Atemzug “Millionenabfertigungen” für unfähige Manager ausbezahlt. Aber wie gesagt, tarnen und täuschen ist eben alles und vorallem sehr in Mode gekommen.
MfG
Stauni
8. Mrz. 2009 | #
Ein trauriges Spiel ist das Ganze. Man kann die verlogenen Argumente gar nicht so schnell aufzählen, wie sie kommen. Da wird etwa auch behauptet, der Löwenanteil des Mehrbedarfes an Geld für die Bildung hätte gar nichts mit der Reform (“Neue Mittelschule”?) zu tun, sondern das seien die routinemäßig steigenden Kosten für Bestehendes (zB Mieten, Personal etc). Andererseits behauptet man, es würden durch die geforderte Mehrarbeit keine Lehrerposten verloren gehen. Na wie denn jetzt? Wenn bei den Personalkosten durch Lehrermehrarbeit Geld gespart werden soll, dann geht das wohl nur durch Streichung von Lehrerarbeitsplätzen – oder? Solche, jede Logik ausschließenden Argumente können nur verlogen sein. Die andere Alternative wäre nämlich, dass die Handelnden die Tragweite ihres Handelns gar nicht erkennen können. An diese Möglichkeit möchte ich nicht einmal denken – es sind ja unsere Führer…
9. Mrz. 2009 | #