Ich sah mir gerade im Fernsehen den Redezweikampf zwischen den deutschen Kanzlerkandidaten Steinmeier und Merkel an. Den beiden waren Unruhe und Nervosität ins Gesicht geschrieben. Diese Wahl entscheidet, wer künftig die Verantwortung für 80 Millionen Deutsche, für fast das gesamte deutsche Volk, führend trägt. Die Welt schaut nach Deutschland, ähnlich, wie sie bei der Wahl Obamas nach Amerika sah. Und diese Last, das deutsche Volk gegenüber der Welt vertreten zu müssen, spüren die beiden Bewerber. Sie lastet schwer auf ihnen.
Ist es gut für das deutsche Volk, dass also seine gesamte Verantwortung auf den schmalen Schultern Merkels oder Steinmeiers lastet? Sollte sie nicht eher breiter gestreut sein? Aufgrund des Wahlsystems der 5%-Schranke wählen die Bürger nicht ihre Abgeordneten sondern Parteien. Und dieses (wie jedes) Parteiensystem hat sich derart zu einer Mitte hin entwickelt, dass nur geringe Abweichungen des Wahlerfolgs einen Wechsel zu einer Mitte-Links oder zu einer Mitte-Rechts-Führung bedeuten. Dieses System ist nicht beständig/stabil sondern äußerst unbeständig/labil und damit anfällig für Beeinflussungen, meistens zu Lasten der Gesamtheit der Vertretenen: Eine ungute Lage.
Machtabgabe und Föderalismus hießen die Zauberwörter. Macht, nämlich rechtliche Zuständigkeiten, sollten nicht derart umfangreich an einer Stelle gebündelt sein. Die Parteien sind zu mächtig. Entweder senkt man also die Mindestschranke für den Einzug in den Bundestag stark ab, sodass deutlich mehr Parteien einziehen und Änderungen nach Wahlen nicht so deutlich ausfallen. Oder man überträgt die Macht wieder zurück an die Landesfürsten, dass die deutsche Bundesregierung deutlich weniger und die Landesregierungen dafür um diese mehr Zuständigkeiten besäßen. Änderungen gingen damit langsamer und fließender vor sich.