12. Okt. 2009
Momentan geht es wieder um Pensionserhöhungen und die Pensionistenvertreter (Blecha und Khol) fordern mehr als die bloße Inflationsabgeltung. Ob das gut, böse, berechtig, unberechtigt oder sonstwas ist, mag ich nicht beurteilen, aber im Zuge der Diskussion tun sich merkwürdige “Experten” hervor…
Einer davon ist etwa der aus der Arbeiterkammer stammende, frühere Kabinettschef der Sozialministerin Hostasch, Bernhard Schwarz. Der gute Mann hat – locker vom Hocker – gleich Schuldige an der Pensionsmisere zur Hand:
“Besonders stark belasten derzeit die Beamtenpensionen das österreichische Budget, sagt Bernhard Schwarz von der Pensionskommission. Für 300.000 pensionierte Beamte müssen 2,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aufgewendet werden, für die anderen rund 1,8 Millionen Pensionisten sind lediglich 2,2 Prozent notwendig.” (Zitat DiePresse)
Ein merkwürdiger Pensions-”Experte” ist das aber. Ein Beamter geht nämlich nicht in Pension, sondern der bleibt Beamter und wird nur in den Ruhestand versetzt. Dort bekommt er statt seinem Gehalt eine Art Ruhestandgenuss (Pension). Dieser Ruhestandsgenuss (=Beamtenpension) wird direkt vom Dienstgeber bezahlt, denn eine Pensionskassa oder -versicherung gibt es nicht. Dadurch belastet jeder Cent, der beamteten Pensionisten (=Beamte im Ruhestand) ausbezahlt wird, natürlich das Budget. Anders ist es im ASVG. Da wird von den Pensionskassen der Pensionsbeitrag einkassiert, diese wirtschaften damit und zahlen daraus die anfallenden Pensionen aus. Was sich nicht ausgeht, wird aus dem Budget abgedeckt. Da wird es wohl ganz normal sein, dass die Abdeckung des Abganges das Budget weit weniger belastet, als wenn für eine Gruppe alles daraus bezahlt werden muss.
Aber vielleicht hat das unser “Experte” ja eh alles mitgerechnet. Übersehen dürfte er aber jedenfalls haben, dass die (pragmatisierten) Beamten ständig weniger werden und von einer Pyramide (unten die Einzahler, oben die Entnehmer) keine Rede mehr sein kann. Vielmehr sind jetzt schon mehr Beamte im Ruhestand als aktiv. Die vormals aktiven Beamtenstellen haben sich aber nicht in Luft aufgelöst, sondern sie wurden in Vertragsbedienstenstellen umgewandelt und die Vertragsbediensteten (die nebenbei bemerkt für die gleiche Leistung mehr verdienen, als pragmatisierte Beamte) zahlen ins ASVG-System ein, welches dadurch sicher nicht geschädigt wird.
Seine Durchlaucht, Pensions-”Experte” Schwarz, vergleicht hier Äpfel mit Birnen und er weiß das ziemlich sicher auch. Seinem Werdegang entsprechend wird er, himself höchstwahrscheinlich mit fürstlichen Pensionsansprüchen ausgestattet (von denen Durchschnittsbeamte nur träumen werden können), wohl nur einfach gestrickte Klientelpolitik nach dem Motto “ASVG = SPÖ-Wähler” machen…
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PS: Wir wollen unseren “Experten” jetzt sicher nicht überbelasten, aber wenn er schon dabei ist, könnte er vielleicht zu erklären versuchen, warum jede angedachte Überstellung von Beamten in das ASVG immer gleich reflexartig als “zu teuer” abgelehnt wird, wenn doch die Beamten stets als der Gottseibeiuns des Pensionssystems angesehen werden. Wenn sich die Beamten im Beamtensystem so ruchlos bereichern, dann müsste es doch logischerweise mit dem ASVG billiger abgehen, zumal ein Großteil der Beamten (Politiker und Akademiker natürlich nicht…
) sofort und vor allem freiwillig 1:1 (Pensionsberechnung nach dem ASVG, Rückzahlung des dann ja zuviel bezahlten Pensionsbeitrages und Abfertigungsanspruch) ins ASVG überwechseln würden…