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16. Nov. 2009

Ich habe nie ein Hehl daraus gemacht, dass ich Lobbyismus günstigenfalls als Meinungsprostitution (ohne hier die Damen vom flachen Gewerbe beleidigen zu wollen… :) ), im anderen Fall aber als die leibhaftige Korruption ansehe. Mit der Bestätigung meiner Ansichten hätte ich allerdings nicht so schnell gerechnet…

Es wird berichtet (hier und hier), dass Lobbyisten im Sold der Biotechfirma Genentech – eine Tochter des Pharmakonzerns Roche – in den USA Reden für 42 Abgeordnete des Repräsentantenhauses geschrieben haben. Es ging um dabei um die Gesundheitsreform (no-na-net, die Gesundheit ist ja nach dem Klimawandel weltweit das zweitgrößte Geschäft), welche der Messias himself versprochen hat, und diese Abgeordneten wurden vom Lobbyistenpack auch mit Spenden bedacht.

Wäre man ein Schelm, müsste man nun denken, die Lobbyistenbande hätte sich ein paar Abgeordnete gekauft, damit die öffentlichen Dollars, die durch die US-Gesundheitsreform fließend gemacht werden sollen, gleich von Haus aus in die richtige Richtung geleitet werden. Ein gewisser Evan Morris, Chef der washingtoner Niederlassung der besagten Firma klärt uns aber auf, dass es gar nicht so ist. Es bestünde überhaupt kein Zusammenhang zwischen den Spenden an die Abgeordneten und den Redetexten. Na dann… ;)

Den Bock dürfte aber der demokratische Abgeordnete Bill Pascrell Jr abgeschossen haben. Es tue ihm leid und er habe das nicht gewusst. Er hätte den Redetext von Mitarbeitern in die Hände gedrückt bekommen und nicht gewusst, woher sie ihre Informationen hatten. Dem guten Mann fällt gar nicht auf, was er da zu seiner Rechtfertigung sagt. Er stellt sich also im Repräsentantenhaus hin und redet, ohne zu wissen was. Ein toller Abgeordneter ist das aber…

Richtig traurig stimmt einem dann aber der Ausspruch, den dazu ein Lobbyist, der auch Genentech zugeordnet wird und anonym bleiben möchte, zu der Sache losließ: “So etwas passiert doch dauernd. Da ist nichts Verwerfliches daran.” Es ist also eh ganz normal, dass Lobbyisten Abgeordnete bestechen. Gelebte Politik sozusagen…

Uns aber muss es so oder so wurscht sein, was die Amerikaner unter Politik verstehen. Hauptsache bei uns in Europa ist alles gaaaaanz anders…

1 Kommentar »

  1. kritikus.at » Blog Archiv » Kommission der Lobbyisten schreibt:

    [...] ich den Lobbyismus für Korruption halte, habe ich ja schon öfters geschrieben (zB hier und hier). Es ist auch kein Geheimnis, dass die Lobbyistenbande indirekt in Brüssel [...]

    2. Mai. 2010 | #

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