Wer kann sich noch an die Getränkesteuer, welche durch die EU-Gerichtsbarkeit aufgehoben wurde, eigentlich noch erinnern?
Viele wohl nicht, denn die Aufhebung derselben durch EUGH konnte ja auch annähernd niemand bemerken. Die Preise in Wirtschaften und Kneipen haben sich dadurch ja nicht verändert. Den tieferen Sinn der EUGH-Aktion – Umverteilung von den öffentlichen Kassen in jene der Wirte – hat die breite Masse also nicht unmittelbar mitbekommen und unsere Kapazunder hat das auch ziemlich kalt gelassen. Jedenfalls war die Aufregung darüber in vorauseilendem EU-Gehorsam extremst verhalten…
Nun dürfte sich aber was regen. Unsere Gewaltigen können jetzt scheinbar aus lauter Finanznot überhaupt nicht mehr scheissen und sehen sich sohin veranlasst, Kreativität walten zu lassen. Nein, nein – nicht, um zu sparen. Dieses Wort kommt im Wortschatz unserer Politgranden ja gewöhnlich gar nicht vor und wenn doch, dann nur mit einer äußerst merkwürdigen Bedeutung. Im ösiländischen Politsprech bedeutet sparen nämlich, bei im günstigsten Fall gleichbleibenden Ausgaben mehr Steuern und Abgaben einzuheben…
So ist es auch nicht verwunderlich, dass man bei der allgegenwärtigen Suche nach neuen Möglichkeiten, die Bürger auszupressen, um sich nicht beim Geld-zum-Fenster-hinauswerfen einschränken zu müssen, auf die altehrwürdige Getränkesteuer zurückkam. Man nennt sie jetzt Alkoholsteuer und setzt sie mit 15 Prozent etwas höher an, aber das Ziel bleibt das gleiche. Dass es gerade in Linz beginnt, dürfte eher nur Zufall sein. Die anderen Städte und Gemeinden geben sind zwar größtenteils noch zurückhaltend, sind aber genauso pleite. Sie werden somit nicht lange widerstehen können.
Also keine Panik auf der Titanik – business as usual im Ösiland. Ich frage mich nur, ob ich es noch erleben darf, dass einmal bei Finanzproblemen zuerst die Ausgaben gedrückt werden bevor man über Steuererhöhungen nachdenkt…
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PS: Erwähnt sei in dem Zusammenhang noch ein ganz besonderes Schmankerl von geistigem Exhibitionismus aus Innsbruck. Dort dürfte die Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer von der neuen Steuer auch recht angetan sein. Sie lässt das einleuchtende Argument, dass alkoholische Getränke dann teurer werden würden, gleich einmal überhaupt nicht gelten. Diese seien ja für die Konsumenten nach dem Wegfall der Getränkesteuer auch nicht billiger geworden. Bei derartigen Aussagen gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder ist die Frau so abgrundtief naiv (um nicht dumm zu sagen), dass sie fundamentalste Zusammenhänge nicht behirnt oder sie lügt bewusst. Erstere Option erscheint mir bei einer Berufspolitikerin eher unwahrscheinlich…