Hat es da nicht einmal einen Brief gegeben, wo ein angehender Bundeskanzler einem alternden Zeitungsbaron etwas versprochen hat?
Werner Faymann hat den Brief an Hans Dichand öffentlich im Wahlkampf geschrieben. Er dürfte schlechtes Gewissen gehabt haben, weil er da als Bundeskanzler in spe gemeinsam mit dem damaligen Noch-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (hätte nie gedacht, dass ich dem noch nachweinen würde…), gerade den Lissabon-Vertrags-Moloch ohne Volksabstimmung durchgemauschelt hatte und das natürlich bei den gewöhnlichen Wahltrampeln nicht so gut angekommen ist. Der Brief mit dem hoch und heiligen Versprechen (welches Werner Faymann im Wahlkampf 2008 dann noch unzählige Male erneuert hat), künftig bei jeder EU-Vertragsänderung das Volk entscheiden zu lassen (dh eine Volksabstimmung zu initiieren), wurde also geschrieben, um die Gemüter zu beruhigen und natürlich auch, um trotz der Lissabon-Sauerei gewählt zu werden.
Und die Rechnung ist aufgegangen, Werner Faymann wurde Bundeskanzler. Ich habe zwar den Brief und das verbindliche Versprechen aus der Sicht Faymanns als blanken Unsinn, der ihm einmal auf den Kopf fallen wird, gehalten, muss aber zugeben, dass ich es ihm abgenommen habe. Nicht, weil ich dem Kanzler eine so dreiste Lüge nicht zugetraut hätte, sondern, weil ich mir ganz einfach nicht vorstellen konnte, dass er sich das wirklich traut. Ok, ich habe mich getäuscht…
Gestern beim Rapport bei Angela Merkel hat der Werner die Rechnung gelegt bekommen. Frau Merkel möchte im Zuge der Bekämpfung der Schuldenkrise die EU-Verträge geändert sehen und Volksabstimmungen in den einzelnen Ländern zu dem Thema sind das Allerletzte, was sie im gegenwärtigen Abwehrkampf gegen die Pleite großer Teile der EU jetzt gebrauchen kann. Das wird sie natürlich auch dem Werner eröffnet haben (no-na-net, war ja wohl der Grund von Werners Antreten bei der Angie). Und da hätte ich mit diesem gewiss nicht tauschen wollen, da wird eine Hose wohl gestrichen voll gewesen sein. Ob er dabei auch wie ein ertappter Volksschüler geweint hat, weiß ich natürlich nicht, aber jedenfalls dürfte er der Frau Merkel auch ein Versprechen gegeben haben geben haben müssen. Seither sagt er nämlich, bei den Rettungsplänen sei keine Volksabstimmung notwendig, obwohl Frau Merkel ausdrücklich betont, dass das, was sie vor hat, ganz klar eine Vertragsänderung ist…
In Hessen gab es vor gar nicht so langer Zeit in der SPD eine Spitzenkandidatin namens Andrea Ypsilanti, die im Wahlkampf ein verbindliches Versprechen abgegeben hatte und dies nach der Wahl nicht einhalten wollte. “Lügilanti” und “Tricksilanti” haben unsere deutschen Freunde sie dann bezeichnet und zum Teufel gejagt haben sie sie auch. So schlimm wird´s Werner Faymann aber nicht treffen. Wir sind ja nicht in Deutschland, bei uns ist das Ösiland und ein rechter Roter wird sowieso rot wählen, weil er das immer getan hat. Und außerdem passt “Lügi” in seinen Namen nicht so richtig hinein. Wir können ihn höchstens banal “Lügenmann“, liebevoll “Lügimann” oder ehrfurchtsvoll “Lüginator” nennen.
Aber vielleicht sollten wir mit dem Werner nicht so hart ins Gericht gehen. Woher sollte er denn wissen…
Abgesehen von dem in Ihrem Beitrag behandelten Thema, läuft zur Zeit schon wieder eine PR-Aktion (mehrseitige Pro-Interviews in Serie) in der Kronen Zeitung. Der politisch schwächste Kanzler der 2.Republik versucht über diese Tageszeitung sein schwer angeschlagenes Image zu retten. Nützen wird es ihm vermutlich nichts, denn Faymann ist bereits zur Lachnummer der Nation mutiert.
4. Dez. 2011 | #