Primark – das letzte Dumping-Haus der Nation

KleidungMeine beiden Töchter jammern neuerdings gar nicht mehr, dass sie nicht genug Taschengeld bekommen. Grund dafür ist die Neueröffnung der Modekette Primark in unserer Heimatstadt. Ich selbst bin Ladeninhaberin einer kleinen Mode-Boutique und gehe auch privat lieber in ausgesuchten Geschäften einkaufen. Meine Töchter sehen das allerdings anders, einmal habe ich sie in den Laden begleitet und wäre fast nach hinten gefallen bei dem strengen Chemie-Geruch. Seitdem dieser Billigkonzern eröffnet hat, habe ich das Gefühl, andere Läden können einpacken. Kein Wunder bei diesen Niedrig-Preisen. Seit 1969 gibt es Primark schon, erst in Irland, dann in Großbritannien, mittlerweile in neun europäischen Ländern und es soll noch weiter expandieren. Da frage ich mich schon, was hat dieser Laden nur, was andere Billigketten nicht haben. Schließlich kann ich mir auch beim hiesigen Discounter, Kik oder Takko ein Shirt für 2,50€ kaufen. Das Besondere bei Primark ist allerdings, dass es wirklich Trendteile wie Fellwesten, Lederhosen und Co zu kaufen gibt und das garantiert unter 35€. Junge Mädels wie meine Töchter sehen im Fernsehen, in Magazinen trendy gekleidete Frauen. Da sie selbst nicht alzu viel Taschengeld bekommen, können sie sich nicht alles einfach so kaufen. Bis jetzt: Denn bei Primark bekommt man locker zwei Outfits unter 100€.  Natürlich interessiert man sich in dem Alter noch nicht alzu sehr für die weitreichenden sozialen Folgen, die solche Strategien von Konzernen nach sich ziehen. Denn wenn sich ein junges Mädchen bei Primark aus der Laune heraus einige Outfitvarianten fürs nächste Date gönnt, dann schuftet ein wahrscheinlich nicht viel ältere Frau in Bangladesh mit Kind im Bauch bis zur Erschöpfung an der Nähmaschine. Mag sein, dass Medien übertreiben und bewust Skandale setzen wie diese eingenähten Botschaften. Was mir, egal welche Arbeiterbedingungen wirklich herrschen, bei Primark fehlt, ist der Gedanke, sich zu überlegen, welches Shoppingbudget habe ich und wie muss ich kalkuliere. Lange in der Umkleidekabine stehen und überlegen, ob diese tolle Jeans jetzt noch in das Budget passt, dass müssen die Mädels bei Primark nicht. Es wird einfach alles wie im Drogenrausch in den Korb geworfen und zuhause: Tja da hängen die meisten Sachen dann doch nur im Schrank mit der Begründung: Mama irgendwie fusselt diese Fellweste arg schlimm. Bin ich zu voreingenommen, wenn ich meinen Töchtern in Zukunft verbiete, zu Primark zu gehen?

Julia (42)