14. Okt. 2011
Ja, er hat was aus sich gemacht, der Investmentbanker Gerald Hörhan. Er soll´s genießen und von mir aus auch glücklich werden. Wenn es aber irgendwie geht, soll er das Maul halten, denn seine Klugscheisserei ist kaum erträglich…
In seinem kürzlich veröffentlichen Buch “Investment Punk” beschimpft er pauschal die Jugend und stellt seine Thesen für eine bessere Welt dar. Selbstverständlich kommt da dann die Philosophie der Bankzocker als einzig wahre Formel nicht zu kurz. Niemand solle sich auf den Staat (Bildung, Gesundheitswesen, Altersvorsorge) verlassen, sondern selbst kreativ (so wie er selbst) bis zum Umfallen ruacheln, um sich selber mit einem großen Vermögen abzusichern.
Er schimpft die Jugend faule, dekadente “Arschkriecher“, die mit “zusätzlicher Staatsverschuldung” und “mit jeder aus Rücksicht auf die Alten verweigerten Verwaltungsreform” von der Politik abgezockt werden. Die Jugend solle sich gefälligst gegen die “Abzocke” wehren. Aber nicht durch Proteste gegen die Politik und den Finanzkapitalismus, sondern damit, wirtschaftliche Macht aufzubauen und damit politischen Einfluss zu gewinnen.
Ok, über die derzeitigen Intentionen der Politik kann man diskutieren und dass es mit der Motivation so mancher Jugendlicher nicht zum Besten steht, ist auch nicht zu übersehen. Einige unbedeutende Kleinigkeiten vergisst der gute Bank-Punker aber gefließentlich. Nämlich, dass sich Leute seines Schlages in Scharen gesund gestoßen haben, indem sie die Weltwirtschaft in die Lage gebracht haben, in der sie ist. Und auch jetzt verdienen sie noch immer am Niedergang sehr gut – den Ratingagenturen sei´s gedankt…
Und wie das Hörhan-Rezept – ruacheln bis zum Umfallen, um auf Kosten anderer ein Vermögen zu machen – funktionieren soll, wenn das (wie er ja rät) alle versuchen, sollte er eventuell auch noch näher erklären. Sich nur gegenseitig auszusaugen kann nämlich nicht viel bringen. Am Ende wären wohl nur die skrupellosesten der Schlauen reich und alle anderen mehr oder weniger arm – so wie jetzt auch…
Verstehen kann man den Bankzocker aber schon wenn er die jungen Leuten dazu bringen will, sich nicht aufzulehnen, sondern stattdessen stumm zu ruacheln. Wenn die nämlich einmal wirklich wütend werden, dann gehören er und seinesgleichen nämlich zu denen, die recht schnell zusehen müssen, dass sie Land gewinnen. Der Volkszorn, unberechenbar und zu allem fähig, wird dann nämlich ein Ventil brauchen und mit Klugscheissen ganz bestimmt nicht mehr zu besänftigen sein…